Iranische Wiedergeburt: Persische Schriftreform

Iranische Wiedergeburt: Persische SchriftreformDie Reform der persischen Schriftsprache ist eine der wichtigsten Projekte, um in Iranzamin Modernität und Fortschritt einzuführen. Als kultureller Impulsgeber wird Iran auch eine Schriftsprache für Xorasan (Afghanistan), Ost-Belutschistan, (West-Pakistan) und zuletzt auch für die iranischen Gebiete in Irak und Torkei vorschlagen.

modern persian

Das arabische Alphabet, das als verbindendes Band die Iraner an die Umma bindet, gilt es zu zerschneiden. Dieser kultureller Schritt, ist immens wichtig, um sich gegen das Herrenmenschendenken und Rassismus der Araber zu stemmen, das durch den Koran und Islam, in ganz Iranzamin zum Ausdruck kommt und die Iraner in die Rolle von Menschen zweiter Klasse drängt.

middle persian

Was die Sprachreform in Iran angeht, so kann Iranzamin aus einem reichen Fundus  an Schriften schöpfen. Zum einen gibt es die persische Variante der aramäischen Schrift, die benutzt wurde um mittelpersische Texte, während der Herrschaft der Sassaniden, zu schreiben. Zum anderen können wir heute auch die persische Keilschrift entziffern, mit dessen Hilfe wir die Schriftem der Achämeniden verstehen können.

old persian

Die tägliche Nutzung der Sprache aber muss sich an praktische Vorgaben orientieren, daher ist eine politische Schriftreform, die nicht auf die Bedürfnisse der Menschen eingeht, auf lange Sicht zum Scheitern verurteilt. Die Einführung der lateinischen Sprache für die persische Sprache, bietet sich als Ideallösung an, nicht zuletzt durch die weite Verbreitung der lateinischen Schrift weltweit und Kenntnis desselben in den Gebieten Iranzamins.

Vielfach wird, zum besseren Verständnis des Lesers, die phonetische Schriftform benutzt, um persisch mit lateinischen Buchstaben zu schreiben, wie auch hier auf dem Blog beim langen A, das sich dann so schreibt: Â. Manche benutzen auch noch die folgenden Sonderzeichen (Ç und das Ş), was im Ergebnis sich nicht sonderlich von der Schreibweise des Namen vom Türkenführer Erdoğan in der deutschen Presse unterscheidet. Was wie eine sinnvolle Übernahme von Buchstaben aussieht, ist im Grunde nicht nur bei der Verbreitung der persischen Sprache hinderlich, sie birgt noch weitere Gefahren, auf die es sich lohnt einzugehen.

Vevelopment od persian Alphabet

Zum einen ist es inakzeptabel, dass die persische Schrift Elemente aus dem türkischen übernimmt, ihr ähnlich wird und Sonderzeichen einführt, wo man darauf verzichten könnte. Würde die heutige Schrift lediglich dazu benutzt werden um per Hand geschrieben zu werden, wäre das Ganze nicht so gravierend. Da wir aber in der heutigen IT-Welt leben, in der die Benutzung von Medien-Geräten zu unserem Alltag gehört, sollte mehr auf diesen Aspekt eingegangen werden. Da das englische Alphabet auf fast alle lateinischen Tastaturen geschrieben werden kann und zudem die Programmier-Sprache der IT-Welt ist, ist es naheliegend  dieses Alphabet zu benutzen und zur Beschreibung von speziellen Buchstaben, Doppelbuchstaben zu nutzen, oder einen anderen Weg finden, bei der man auf die Nutzung von Sonderzeichen verzichtet. Auf diesem Weg ist es den Iranern weltweit und fast auf jede Tastatur möglich ihre Schrift zu benutzen, was es auch fremdsprachigen Lernwilligen der persischen Sprache einfacher macht sich diese Sprache(n) anzueignen.

Bis zur Einführung von Unicode, das fast alle weltweiten Schriften darstellen kann, musste man sich mit dem ASCII-Code begnügen, das in seiner Urform lediglich 128 Zeichen definiert. Um Sonderzeichen anzuzeigen ist man da auf Erweiterungen angewiesen oder muss es mühsam als Buchstabencode eingeben. Vielfach werden Sonderzeichen bei Computer-Programmen dazu benutzt diese zum Absturz zu bringen, zu manipulieren oder sonst wie in betrügerischem Besitz zu nehmen. Obwohl es möglich ist persische Domain-Namen in die Adresszeile eines Browsers einzutippen, so werden diese als kopierter Text als nicht leserliche Hieroglyphen angezeigt. Gerade auf diesem Wege ist es sehr leicht manipulierte Links bereitzustellen, die auf den ersten Blick nicht als schädlich identifiziert werden können.

Es gibt wie man sieht viele sinnvolle Gründe auf Sonderzeichen zu verzichten und vor diesem Hintergrund sollte das neue iranische Alphabet ausgewählt werden. Da Iranzamin, als ein Drittland-Gebiet, besonders der Gefahr ausgesetzt ist, durch Nutzung älterer IT-Systeme, angreifbar zu sein, gilt es diese Gefahrenquelle mit Hilfe der Schriftreform und der Verzicht auf Sonderzeichen zu beseitigen.

Arabic_alphabet_world_distribution

Der Verzicht auf Sonderzeichen dient also drei verschiedenen Zwecken, zum einen der Sicherheit, zum anderen bietet es eine einheitliche Schrift für alle iranischen Sprachen, das durch die konsequente Nutzung der lateinischen Schrift, gleichzeitig zu ihrer internationalen Verbreitung beiträgt und es zudem für Nichtiraner einfacher macht iranische Sprache(n) zu erlernen. Dieser Blog wird den Anfang machen und ab jetzt konsequent auf die Nutzung des einzigen von ihm benutzten Sonderzeichen  verzichten und es einfach mit einem A ersetzen.

Es lebe die großartige iranische Wiedergeburt!

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9 Antworten zu Iranische Wiedergeburt: Persische Schriftreform

  1. Jahângir schreibt:

    Interessante Perspektive, besonders im Hinblick auf IT – das hatte ich bislang kaum bedacht. Dass große Unsicherheit herrscht bzgl. der Schreibweise und dass es viele individuelle Abweichungen gibt, war mir auch schon aufgefallen. Das hängt natürlich auch mit der konfusen perso-arabischen Schreibweise zusammen – und sogar mit der kyrillischen, in Tadschikistan jedenfalls. Sicherlich wäre ein einheitliches System vorzuziehen.
    Persönlich werde ich mich jedoch weiterhin an die offizielle lateinisch-persische Schreibweise mit „Sonderzeichen“ halten, da mir die „englische“ oder andere Umschreibungen viel zu ungenau sind. Auch muss man bedenken, dass das Alphabet zunächst mal lateinisch ist und nicht englisch, und dass Abweichungen je nach Sprache durchaus nicht verwerflich sind – schließlich akzentuiert das ja nur eine der Eigenschaften, die das lateinische Alphabet allen anderen überlegen machen, nämlich die Flexibilität. Auch andere wichtige Sprachen wie Deutsch, Französisch, Spanisch oder Portugiesisch haben schließlich Sonderzeichen, welche der Verständlichkeit m.E. keinen Abbruch tun (i.Ü. tauchen auch bei Englisch und bei anderen germanischen Sprachen hin und wieder Umlaute oder accents auf). Man muss ja nicht gleich wie die Navajo mit Sonderzeichen und Apostrophen Amok laufen. Ich finde, man sollte die Computer an die Sprache anpassen und nicht umgekehrt, sonst läuft man Gefahr, dass die Aussprache weiterhin verhunzt wird, wie dies ja zuvor schon u.a. durch unsachgemäße Alphabete passiert ist.

    Schleichende türkische oder sonstige Einflüsse sind natürlich abzulehnen, weil sie das Gegenteil des erwünschten Effekts bewirken, aber auch schlicht überflüssig sind (und das Schriftbild scheiße aussehen lassen). Es gibt zwar z.B. im Altpersischen das „Ç“, allerdings bedeutet das dort wie im französischen Original „ß“ (also scharfes S).

    • Tangsir schreibt:

      Abweichungen sind tatsächlich nicht verwerflich, aber jede einzelne Buchstabe sollte einen Sinn und Zweck haben. Ich irre mich vielleicht, aber ich wüsste nicht, dass es schon eine „offizielle lateinisch-persische“ Schreibweise gibt. Grundsätzlich gebe ich dir aber Recht, dass die Computer sich an die Sprache anpassen sollten, deshalb gibt es ja auch so etwas wie Unicode. Das heisst aber nicht, dass es überall implementiert ist, oder, dass Programmierer darauf achten ihre Programme „Barrierefrei“ zu gestalten und nicht zuletzt gibt es eben noch sehr viele Systeme, und die sind in der Überzahl, die weiterhin mit einem beschränkten Zeichencode auskommen.

      Deutsch, Französisch, Spanisch oder Portugiesisch mögen ihre Sonderzeichen und Unzulänglichkeiten haben und sicherlich sind sie Weltsprachen, aber im Umkehrschluss heisst es nicht, dass man bei einer Schriftreform, sich daran orientieren muss. Ganz im Gegenteil sollte die Situation dazu genutzt werden, diesen Neuanfang ohne unnötige Kompromisse zu begehen. Wenn zur Darstellung von Lauten das „Grundalphabet“ nicht aussreicht, so gibt es sehr viele Wege da Abhilfe zu schaffen, wie im Französischen z.b. mit o und ou. Letztendlich muss aber auch geklärt werden, falls es doch Sonderzeichen geben sollte, wie diese auf einer Tastatur ohne Sonderzeichen adäquat abgebildet werden. So wie im Deutschen das ü und ö zu ue und oe werden, so muss für das neue persische Alphabet entsprechend eine Lösung gefunden werden. Und spätestens an diesem Punkt kommt die Frage auf ob man sich das Ganze antun sollte, oder nicht doch lieber einen kompletten Neuanfang wagt, bei der all diese Notlösungen überflüssig werden.

      • Jahângir schreibt:

        Ich meine mich erinnern zu können, dass die „offizielle“ Schreibweise von der Deutsch-Morgenländischen Gesellschaft kommt. Ich finde sie zumindest sehr praktisch, mit der Ausnahme des Buchstabens für „ch“, bei dem die ein h mit unterständigem „accent“ nehmen, wohingegen ich ganz einfach ein X verwende, so wie bei slawischen Sprachen.

        • Tangsir schreibt:

          Praktisch ist sie auf alle Fälle, da sie jeden Laut mit einem entsprechenden Buchstaben beschreibt, aber ist sie denn auch als Alphabet für den Alltagsgebrauch geeignet? Das X benutze ich auch weiterhin für den Buchstaben ch, da es keine Sonderzeichen enthält 😉 Ich finde es gut, dass es so viele verschiedene Ansätze gibt und, dass fruchtbar darüber debattiert wird. Ich zweifele nicht daran, dass Iranzamin die für sie günstigste Lösung finden wird.

          Es lebe die großartige iranische Wiedergeburt!

  2. Feuervogel schreibt:

    Ja, lateinische Buchstaben für das Persische wären klasse.
    Das arabische Alphabet ist zwar schnell gelernt, nicht aber das schnelle Lesen von persischen Wörtern in arabischer Schrift – das braucht Übung.

  3. Simorgh schreibt:

    Ne, die lateinische Schrift ist unsexy und unpassend für die iranischen Sprachen.
    Zwar beinhaltet es fast alle Laute, aber mir scheint es dann so, wie eine türkische Nachmache. Wir sind doch auch keine Europäer und das Iranische muss einzigartig sein, aber in die Umgebung passen. Beispiel: Südkorea, Japan, China etc. haben ähnliche, aber nicht gleiche Zeichen. Ausserdem finde ich die Idee einer globalisierenden Einheitsschrift zwar praktisch, aber nicht stilvoll und seelenlos. Das Arabische ist zwar kalligrafisch sehr schön, aber die Schrift an sich hat Unmengen von Fehlern .

    Wir brauchen keine drei s-Laute oder der Unterschied zwischen Qâf und Qeyn kann mir auch gestohlen bleiben. Eyn ist genauso unnütz, da es mit den Buchstaben Alef oder E ersetzt werden kann. Ich hasse dieses aus dem Rachen kommende Eyn und Qeyn. Passt so gar nicht.

    Was wir brauchen sind folgende Buchstaben:

    Â
    B (Be)
    C , wie Celeh, Cai
    D (De)
    E
    F (Fe)
    G (Ge), wie garm
    H (He)
    I
    J (Je), wie Jamshid
    K
    L
    M
    N
    O
    P
    Q (Qe), wie Qorme Sabzi 🙂
    R
    S (Se), wie Sibzamini
    T
    U
    V/W, wie varzesh
    X muss unbedingt eingeführt werden. Wir hatten früher viele Wörter mit X, welche mit dem Arabischen verschwunden sind.
    Y (Ye), wie Yazd anstatt, dass es wie heute mit einem I geschrieben wird
    Z (Ze), wie zendegi. Das lateinische Z (Zahn) braucht das Iranische nicht
    Zh, wie Zhaleh oder Mozhdeh
    Sh, wie Shirin
    A, wie Armanenstân
    Es sind also 28 Buchstaben bzw. 28 Laute nötig

    Sorry für die hagelnde Kritik. Ich werde glaube ich auf meiner Seite einen eigenen Beitrag dazu schreiben. Wäre cool, wenn wir einen Wettbewerb für die beste Schrift veranstalten könnten. Für Künstler wäre das sicher eine super Sache.

  4. lulu schreibt:

    vielen lieben dank für die untersützung und erhalt von sprachen

    • Tangsir schreibt:

      Erhaltung von Sprachen beinhaltet auch das Pflegen derselbigen. Das heisst ein Kommentar mit Mehrwert tätigen oder sich ein eindeutiges Pseudonym geben, anstatt unkreativ wie ein Tork lulu zu schreiben. Aber wenigstens ist dein Kommentar Anlass über den Sinn der Sprache zu reden und gleichzeitig Türken zu beleidigen lulu.

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