Aufstand der Mutanten

“Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet,
dann vor allem das Recht,
anderen Leuten das zu sagen,
was sie nicht hören wollen.”
George Orwell

Im Jahr 1532, während der dritten Eroberungsreise von Francisco Pizarro nach Südamerika, trafen die spanischen Konquistadoren unweit von Cajamarca im heutigen Peru auf ca. 30.000 Krieger des Inkakönigs Atahualpa. Die Folgen dieser Begegnung sind allgemein bekannt ebenso wie der Vorfall, der eines der größten Massaker unter den Inkas ausgelöst hatte: Der Dominikaner Vicente de Valverde trat vor und gab König Atahualpa die Bibel in die Hände als „Gottes wahres Wort“ – haben die Spanier doch nicht nur wegen des Goldes, des Garten Edens oder des Jungenbrunnens den Atlantik überquert, sondern auch um die christliche Botschaft in den Urwald zu bringen. Da Atahualpa nicht lesen konnte und auch das Buch nicht mit ihm sprach, schmiss er es auf den Boden in den Dreck. Dieser Affront entsetzte und beleidigte die Spanier, und sie richteten mit christlicher Eifrigkeit ein Gemetzel unter den Inkas an. Die Spanier waren nicht besonders klug (wie die meisten Menschen des Mittelalters), aber dennoch raffiniert genug, um den Spieß umzudrehen; denn wenn es um die Profite ging, waren sie erstaunlich rational denkende Spezies: Die Übergabe der Bibel an den ahnungslosen Atahualpa sollte ihn nicht missionieren, sondern es war eine durchkalkulierte Provokation, und sie war gelungen. Mit seiner spontanen Reaktion lieferte er Pizarros Konquistadoren den perfekten Vorwand für den Angriff.
Es kann sein, dass sich die Geschichte niemals exakt wiederholen kann, aber die menschlichen Fehler und Verhaltensweise haben diese Tendenz. Heute, wie die Inkas vor ca. 500 Jahren, stehen wir vor ähnlichen Idiotien, die den Glauben an ihre Gebrechen als höchste Moral erzwingen wollen, die dann mit Verständnis und Respekt zu behandeln ist. Wie sollte man sich angesichts einer evidenten, religiös bedingten Pathologie verhalten, wenn der eigene Verstand nicht so einfach auszusetzen ist? Bei der Suche nach Problemlösungen stößt man auf dieselbe Frage wie bei der Beschneidungsdebatte, nämlich die nach der Zulässigkeit irrationalen Denkens und Handelns in der Politik. Die Favorisierung oder auch schon eine Zulassung irrationaler Argumentation in der politischen Debatte verwirrt, erschreckt und bringt die moderne Gesellschaft in eine Entwicklungssackgasse. Bisherige zivilisatorische Errungenschaften religiösen Kriterien zu unterstellen bedeutet sie aufzugeben, zu vergessen, zu vernichten. Wenn dieser „Bekehrungstrend“ in der Politik (der Fisch stinkt immer vom Kopf) nicht kritisch beobachtet wird, um rechtzeitig gestoppt zu werden, hat die Aufklärung verloren, bevor die Menschen ihn verstanden haben. Die Trennung von Staat und Kirche bedeutet auch, das Rationale vom Irrationalen zu trennen wie Schein von Sein und links von rechts. Es gibt nämlich eine Orientierungsnotwendigkeit für eine Gemeinschaft, die die Neutralität des Staates als Basis für Stabilität und Gerechtigkeit bewahrt und gesetzlich festlegt.
Die äußerst suggestive Ansage „wer den Propheten beleidigt, beleidigt auch uns“ ist ein verschleierter Versuch, das Irrationale mit Rationalem auf einer gemeinsamen Ebene zu verkuppeln. Dieser Slogan, der genauso irritiert wie „das hat mit dem Islam nichts zu tun“, bringt das Irrationale in die rationale Welt wie ein Trojanisches Pferd, um die Grenzen zwischen Realität und Phantasie wegzuwischen.
Wenn die Geschichte uns etwas sagen will, dann das, nicht den gleichen Fehler zu begehen, sich provozieren zu lassen oder falsch zu reagieren. Wenn die Inkas gewusst hätten, dass vor ihnen eine Räuberbande von übelsten Verbrechern Spaniens steht, mit einem Befehlshaber der Schweinehirte war, mit einer Witz-Botschaft über „das Leben des Brian“ hätten sie (wenn sie sich das kräftemäßig hätten leisten könnten) vor Lachen umfallen müssen. Anders als die Inkas wissen wir genau, wer mit welchen Absichten vor uns steht, und wir können es uns auch leisten, über die Absurdität dieser Situation zu lachen, solange es zum Lachen ist. Es ist doch immer noch besser und angemessener, unbelehrbare, humorlose Dummköpfe auszulachen, als sie zu verprügeln.
Provokation hat viele Anwendungsgebiete und viele Ausdrucksformen. Sie kann eine äußerst informative und strategisch wichtige Maßnahme sein, um die Gegner abzuschätzen oder zu lokalisieren. Sie ist weder falsch noch richtig. Ihre ethischen Auswertungen hängen von der Situation und dem Provokateur ab. In Sinne ihrer Bedeutung soll sie herausfordern, motivieren, aufwecken, zum Nachdenken anstoßen oder sogar beleidigen, wenn das hilft. Denn das Recht, jemanden zu beleidigen steht vor dem Recht, nicht beleidigt zu werden. Manche Provokationen sind nicht sofort als solche erkennbar und durchschaubar und werden oft auch übersehen. Denn in der Regel untersucht man die Form statt des Inhalts. Solche Irrtümer, das Wesentliche, das Grundlegende nicht rechtzeitig zu erkennen, sind in der Politik ein nicht akzeptables Versagen. Moscheebau ohne Zustimmung der Bürger, politisches Appeasement, Erdogans arroganter Auftritt in Deutschland oder Erikas Steinbachs Forderungen an Polen sind solche stillen Provokationen, die zwar nicht explizit gesetzwidrig sind, aber negative Stimmungen in der Gesellschaft kumulieren.
Nehmen wir die Mohamed-Karikaturen als die berühmteste „Provokation“, die man nicht lesen muss. Als Reaktion auf die islamische Expansion und menschenverächtliche „Eroberungslehre“ des Korans ist die Satire eine völlig berechtigte, gesetzliche und kulturell unumstrittene, allgemein akzeptable Kritikform in der freien, demokratischen Gesellschaft. Als pure Provokation wiederum verursacht sie gewaltige Reaktionen, die normale Vorstellungen über die Verhältnismäßigkeit in solchen Situationen sprengen. Gewaltpotential steht immer auf der Seite der Menschen, nicht der Kunst, und die Gewalt muss kontrolliert werden und nicht die Kunst. Kunst und die Kunst der Kritik ist die zivilisierteste Form der politisch-gesellschaftlichen Kritik, die die menschliche Vernunft in letzten 300 Jahren ausgearbeitet hat. Und sie existiert nicht, um den Politikern und den Massen Gefälligkeiten zu erweisen oder ihnen zu gefallen.
Die Meinungsfreiheit hat in die Europa eine längere Tradition als man denkt. Sie knüpft an die voraufklärerische, mittelalterliche „Meinungsfreiheit“ den Hofnarren an. Es handelt sich zwar nicht um die heutigen Rechte von Jedermann, sich in der Demokratie frei äußern zu dürfen, sondern um bestimmte Privilegien der Hofnarren, Zustände und Personen zu kritisieren, zu parodieren bis dahin, sich über diese lustig zu machen. Die Kunst ist die Kritik des heutigen Narrentums, deren Hof ist der bürgerlichen Staat und die institutionalisierte Religion.
Wenn diese Art von „intelligenter Opposition“ wie die Kunst (u. a. Satire) verboten wird, bleibt uns nur die Keule. Und die Keule ist neben dem Stein bis heute noch die beliebteste und typischste „Kritikform“ in vielen islamischen Ländern. Damit erfüllt sich der Traum aller Kulturrelativisten: Wir werden alle gleich.
Monotheismen sind grundsätzlich nicht an Konsenssuche interessiert, weder mit den Konfessionslosen noch mit anderen Religionen. Daher macht es keinen Sinn, den religiösen Konflikten eine öffentliche Bühne zu liefern, denn sie sind objektiv unlösbar.
Der weltbekannte Fotograf Oliviero Toscani, der bis 2000 für Benetton tätig war, ist ein beispielloser, vorbildlicher Provokateur, der mit seiner Kunst bestimmte Kreise und Kräfte gezielt provoziert. Auch Kurt Tucholsky ist mit seinen Äußerungen nicht gerade zimperlich mit dem Deutschtum und dessen Zeitgeist umgegangen. Seine Äußerung „Soldaten sind Mörder“ hat bis heute der Status einer ultimativen politischen Provokation behalten und nachfolgende Generationen zum unbeschwerten Umgang mit gesellschaftlichen Tabus inspiriert. Trotz zahlreicher Feinde wurde er nicht ermordet – er starb im Jahr 1936.
Die zur Schau gestellte Hässlichkeit der menschlichen Natur mit ihrem unmenschlichen Verhalten wirkte immer wie ein Schlag ins Gesicht, der religiöse Bigotterie und politische Hypokrisie zu Wutanfällen provozierte. Solche Schläge sollten öfter erteilt werden, denn jede totalitäre Ideologie hat sie verdient. Der Karikaturist Kurt Westergaard sagte dazu: „Satire ohne Provokation ist bedeutungslos“. Eine positive Provokation soll immer an eine konstruktive Kritik angebunden sein, sonst ist sie nicht mehr als sinnlose Bösartigkeit und Vandalismus, wie das Bewerfen von vorbei fahrenden Zügen mit Steinen oder das Zerschlagen von Fenstern durch Kinder aus purer Lust oder Langeweile. Die Ironie des Schicksals wollte es, dass das, was Toscani den guten Ruf eines kompromisslosen Künstlers eingebracht hat, den niederländischen Filmemacher Theo Van Gogh das Leben kostete. Die Lehre daraus ist: Man muss das „Schicksal“ lernen zu beeinflussen und nicht, wie die „gutmenschlichen Vordenker“ es sich ausgedacht haben, „es“ nicht herauszufordern!
Und überhaupt, kann ein Buch einen Analphabeten beleidigen? Muss der islamische Mob etwas von den „satanischen Versen“ lesen, um Salman Rushdie zu hassen? Interessantes dazu schrieb im Jahre 2006 Ulrich W. Sahm: „Kann man die Gefühle eines Blinden mit pornografischen Fotos verletzen oder bereiten schiefe Töne einem Tauben Ohrenschmerzen? Die Moslems sind hier wie ‚Blinde’, denn beim besten Willen konnten sie angeblich so verletzende Karikaturen nicht sehen. Keine arabische Zeitung hat sie nachgedruckt, kein arabischer TV Sender würde sie ausstrahlen und CNN vertuschte sie, als handle es sich um Pornographie. Können Gefühle allein durch Gerüchte verletzen werden?“
Welche Gefahr der wütende Fundamentalismus, der schon wieder seinen Ego-Trieb weltweit demonstriert, für die Kultur einer modernen Gesellschaft darstellt, ist den meisten Kulturnationen offensichtlich geworden. Wie es scheint, gehört Deutschland nicht dazu. Nach über einer Dekade islamischer Erpressungsversuche jeder Art muss man feststellen, dass allein eine freundliche Ablehnung des Islams, des Korans und des Propheten den Ausbruch des heiligen Zorns nicht verhindern kann. Denn das fundamentalistische Gehirn ist, was die Verletzlichkeit seiner religiösen Gefühle angeht, sehr erfinderisch geworden und übermäßig sensibilisiert. Es ist schwer, jemanden nicht zu beleidigen, der seine Würde wie eine Reliquie demonstrativ vor sich her trägt und auf alles, was er von sich gibt, stolz ist. Mit Widerstand konfrontierte religiöse Überheblichkeit reagiert immer auf die gleiche Weise, heute genau so wie vor 500 Jahren: mit Hass, Wut und Gewalt. Militante Moslems brauchen zu Gewaltexzessen viel weniger Gründe als man denkt. Das zeigt die Zerstörung der Buddha-Statuen von Bamiyan. Die islamischen Fundamentalisten brauchen keine verbalen oder schriftlichen Beleidigungen, um Amok zulaufen. Die Buddha-Statuen von Bamiyan waren aus Stein, der weder sprach, schrieb oder Filme produziert hat und dennoch die Frechheit hatte, über 2000Jahren dort zu stehen und zu provozieren. Hätten die wunderbaren, monumentalen Kunstwerke überdauern können, wenn die Taliban keine Analphabeten gewesen wären und gewusst hätten, dass Siddhartha Gautama Buddha kein Gott war? Jetzt beleidigen auch die ägyptischen Pyramiden den religiösen Geschmack der Geschmacklosen, und man sollte ernsthaft überlegen ob Nofretete trotz ihrer unbestrittenen ägyptischen Herkunft in ihre Heimat zurückgegeben werden soll. Das traurige Ereignis des Jahres 2001 in Bamiyan sollte denjenigen die Augen öffnen, die immer noch glauben, mit vorsichtigem Umgang und Sozialpädagogik Steinzeitmenschen domestizieren zu können. Wenn man weiter toleriert, dass islamisches „Gedankengut“ in der westlichen Moderne eine Daseinsberechtigung erlangt, dann werden bald auch Miniröcke, Erotik- und Musikshops, Metzgereien und Kunstausstellungen als rassistische Angriffe auf Religionsfreiheit und auf religiöse Gefühle der moslemischen Minderheit vom politischen Appeasement verfolgt.
Die enorme Sensibilität und Wachsamkeit des islamischen Fundamentalismus, insbesondere seiner äußerst vulgären, primitiven Form des Salafismus, hinsichtlich seiner ausgeprägten Identität, ist fast unübertroffen. Sie führt dazu, dass die europäischen Sprachen, die Gesetze, Kunst und Kultur überhaupt durch religiöse Befindlichkeiten zu einem gefährlichen Minenfeld geworden sind. Und das ist ein „Besatzung“-Zustand, den man nicht akzeptieren darf. Sogar die Pressefreiheit sollte eingeschränkt werden, weil sie zum Provozieren und Verletzen ausgenutzt wurde! Diese grandiose Idee, eine Ausnahme zu finden, um die Meinungsfreiheit zu relativieren, ist noch heute in der Türkei ein Gesetz, nämlich im türkischen Strafgesetzbuch Art. 301, der die Beleidigung des Türkentums unter Strafe stellt.
Der unerschütterte Verfechter der Meinungsfreiheit (wie er sich selber wahrnimmt), Außenminister Guido Westerwelle, der mit Geist und Leib seine politisch korrekte Position zum unlösbaren religiösen und kulturellen Konflikten bedenkenlos hielt, fordert mehr Respekt für andere Religionen, weil der Respekt und die Toleranz ein Wesensmerkmal (vorauf wir stolz sein können und sollen) unserer (europäischen, deutschen?) Gesellschaft seien. Frei übersetzt heißt das, ich verteidige die Meinungsfreiheit, solange das meine Meinung ist. Entweder weiß er nicht, was er da sagt, oder er ist einer der raffiniertesten Lügner namens seiner Appeasement Politik. Als Jurist aber ist Westerwelle keine geschichtliche Autorität und kein Mann des Vertrauens. Das Verblüffende dabei aber ist: Wenn das Europa des 18. Jahrhunderts die Religion respektiert hätte, dann gäbe es heute Westerwelle mit seinen sexuellen Präferenzen nicht. Europa ist gerade deshalb der einzige kulturelle Träger der westlichen Zivilisation, weil es der Religion gegenüber intolerant war. Dank Intoleranz, Skeptizismus und dem Streben nach Wahrheit haben wir uns vom Diktat der Religion befreit, und es gibt keinen rationalen Grund, dieses Verhältnis zu ändern. Es lebe die Intoleranz!
Täuschung und Lüge (Taqiyya), die Verdrehung des Wortes, des Sinns, der Situation und der Wahrheit ist die durch den Koran empfohlene Strategie des politischen Islam, die Offenbarung des einzigen Gottes unter den ahnungslosen Giauren als Befreiungsbewegung zu verbreiten. Es gibt nämlich keinen unpolitischen Islam. Er bleibt politisch auch dann, wenn viele Moslems ihren Glauben nicht politisieren wollen. Mit Hilfe dieser Strategie ist es den in Deutschland eingesetzten islamischen Verbänden und einzelnen Agitatoren gelungen,
erstens Islamkritik als rassistische Provokation darzustellen d. h. Abwehrreaktionen der säkularen demokratischen Gesellschaft als Provokation zu bezeichnen,
zweitens das Wort „Islam“ mit „Frieden“ und „Barmherzlichkeit“ zu übersetzen und
letztlich ihn (nach Bedarf) unsichtbar zu machen.
Wie ein Phantom hört der Islam auf, in dem Moment zu existieren, wenn er angeklagt und kritisiert wird und erscheint plötzlich wieder auf der Bühne, wenn durch Beleidigung der Prophet verletzt wurde. Wegen islamfeindlicher, rassistischer Kritik und beleidigender Karikaturen empören sich die „islamische Welt“, die „islamische Kommunity“, „die Moslems“. Mit andern Worten: Der Islam existiert nur als Opfer und nicht als Täter. Es spielt keine Rolle ob die Macher des Videos „Innocence of Muslims“ geschmacklos sind. Sie teilen ihren Geschmack mit den Moslems, die auf ihre Geschmacklosigkeit reagieren. Das Niveau des Filmes entspricht sowohl dem Niveau der Empfänger als auch dem der Absender, und daher haben Beide es verdient, mit ihren Aversionen und Befindlichkeiten ausschließlich im Vormittagsprogramm von RTL II präsentiert zu werden.
Warum greift man ständig den Islam an, wenn nur Taliban und einige religiösen Mutationen wie Salafisten zu Gewaltexzessen neigen? Weil die Menschen zu der Erkenntnis gekommen sind, dass ein System nur so gut ist wie sein schwächstes Glied. Im Kalten Krieg hat man den Kommunismus nicht wegen der Tatsache gelobt, dass man in der Sowjetunion Frauen ins Weltall schickte oder kostenlose Bildung und medizinische Versorgung bot, während gleichzeitig in der BRD Frauenfußball verboten war. Stattdessen verurteilte man ausschließlich Stalins verbrecherische Tyrannei (völlig zu Recht). Dementsprechend ist es wichtiger, den unsichtbaren, temporären Islam als repressive, archaische, menschenfeindliche Theokratie zu kritisieren, als seine Kalligrafie oder Architektur zu bewundern.
Der Islam in der Moderne ist wie ein Koma Patient, der zwar körperlich anwesend, aber leider nicht ansprechbar ist. Migrationsprobleme stammen nicht aus den kulturellen Differenzen von Orient und Okzident, sondern aus der Konfrontation einer säkularen, modernen mit einer religiös fixierten Agrar-Gesellschaft.
Eine ausführliche Analyse und Diagnose des religiösen Fundamentalismus und seiner faschistischen Tendenzen unternimmt der Sozial- und Islamwissenschaftler Hartmut Krauss in seinem Buch „Faschismus und Fundamentalismus“. Er schreibt unter anderem: „Die Identität des offenbarungsgläubigen Religiösen gründet sich demnach auf eine manichäische Weltsicht, die den Gegensatz zwischen der Gemeinschaft der Offenbarungsgläubigen (die Welt des Guten und der Reinen) und der Gemeinschaft der Nicht- und Andersgläubigen (die des Bösen und Unreinen) akzentuiert.“ (2003, S. 168)
Diese rein strategische Rhetorik hat eine große Nützlichkeit für religiöse Agitation. Da die „Guten und Reinen“ von den „Bösen und Unreinen“ ständig bedroht sind, hat sich ein innerer Kreis der „besonders Guten“, Ausgewählten und Rechtschaffenen herausgebildet, mit einer Lizenz zum Töten. Diese extreme Polarisierung, die sich ausschließlich auf die Zugehörigkeit der Menschen bezieht, ist genauso trivial wie wertlos und trotzdem spricht sie die breiten Massen an. Alle Totalitarismen knüpfen in ihrer populistischen Propaganda an einfachen Erklärungen an. Machen wir uns nichts vor: die Menschen zu spalten und zu stigmatisieren ist keine Erfindung der Islamisten. Während des Kalten Krieges waren entweder die Kommunisten oder die Kapitalisten die Bösen, je nach dem, von welcher Seite man es betrachtete. Wir waren monatelang über das unverschämte Ultimatum „wer nicht mit uns ist, ist gegen uns“ von G. W. Busch empört, während wir uns auf dieselbe Weise gegenseitig durch diese Art von Erpressung mobilisieren. Wer nicht für Europa ist, ist dagegen; wer kein Xenophiler ist, muss ein Xenophober sein; oder wer seine nationale Identität nicht aufgeben will, sympathisiert mit Nazis etc. Durch den permanenten Druck der politischen Korrektheit müssen wir uns ständig von Menschen und Handlungen distanzieren, die nicht eindeutig sind.
Es gibt noch eine weitere mögliche Erklärung, warum sich der Islam so extrem reaktionär von allem, was ihm fremd ist, distanziert und es zum Todfeind erklärt. Seit das christliche Abendland seine kulturelle, wirtschaftliche, politische und militärische Überlegenheit bewiesen hat, wurde der Islam zu einen „zweiten Monotheismus“ degradiert, und bis heute hat er das nicht vergessen. Das Christentum ist die Religion der Weißen und der Kapitalisten. Der Islam dagegen wurde zur Widerstandsbewegung gegen die christlich-kapitalistische Dominanz des weißen Mannes und eine Zuflucht für die Benachteiligten, Vergessenen, für die Verlierer. Seit den Rassenkonflikten der 60er Jahre in den USA, als die Afroamerikaner (u. a. Elijah Muhammad, Malcolm X, Muhammad Ali, etc.) nach ihrer eigenen Identität suchend massenhaft zum Islam übertraten (Nation of Islam), stehen nicht mehr die Rassenprobleme im Vordergrund, sondern die ökonomischen und kulturellen Differenzen mit der westlichen Moderne. Denn wir führen nicht nur einen „asymmetrischen Krieg“ mit dem Islamismus führen, sondern vertreten auch „asymmetrische Kulturen“.
Der Fundamentalismus ist eine doktrinäre, intellektuelle Impotenz mit der Unfähigkeit zur Selbstentwicklung, zur Selbstreflexion und zur Entdeckung. Der Zorn der Fundamentalisten konzentriert sich auf die Wirklichkeitskomplexität der weltlichen Pluralität – sie sind damit überfordert. Da die innere Dynamik der rationalen, modernen Welt so feindlich und unverständlich für die religiösen Fundamentalisten ist, rekompensiert sie ihre Defizite durch Eroberung des irrationalen Raumes, indem sie ihre Omnipräsenz demonstriert. Sie erhebt damit einen Besitzanspruch auf eine transpolitische und transreligiöse Kommunikationsebene des abstrakten Denkens und der Sprache der Kunst. So entsteht das schon erwähnte, mit Tabus gespickte sprachliche „Minenfeld“, das die eigenen Gedanken dazu zwingt, vorsichtig zu formulieren und die Worte genau abzuwägen, was unausweichlich und auf direkte Weie zur Selbstzensur führt.
Folgendes Zitat aus dem Buch „Die Stadt in der Wüste“ von Antoine de Saint-Exupéry, der großartige Schriftsteller und Humanist des 20. Jahrhunderts, widme ich allen politischen (Nazis) und vor allem religiösen Glaubens-Mutanten wie den Salafisten und Talibans sowie denjenigen, die unverschleierte Frauen als Huren beschimpfen, mich „Schweine Fresser“ nennen und meine Mutter ficken wollen. „Und wenn du zulässt, dass die Schaben sich vermehren, so entstehen die Rechte der Schaben. Sie legen ja klar zu Tage. Es werden auch Sänger aufkommen, um sie zu preisen. Und sie werden dir vorsingen, wie ergreifend das Schicksal der Schaben ist, denen Vertilgung droht. Soll man gerecht sein zum Erzengel oder gerecht zum Menschen? Gerecht zur Wunde oder zum gesunden Fleische? Warum sollte ich mir einen anhören, der zu mir kommt, um im Namen seiner Pestilenz zu sprechen?“
Zweifellos geht dieses Zitat hart an die Substanz und wird manchen nicht gefallen. Diese sollen aber wissen, dass westliche Literatur in ihren Beobachtungen schmerzhaft penetrant und kompromisslos kritisch war und ist. Ich nehme sie gerne zum Komplizen. Ob ich damit Respektlosigkeit zeige? Gewiss. Als Nicht-Politiker bin ich zur Diplomatie nicht verpflichtet, und mein Verständnis von Respekt weicht von der Mainstream-Definition grundlegend ab. Dieses Wort war noch vor 20 Jahren in Deutschland kaum in Gebrauch, bis es plötzlich in den moslemischen Gettos für die Sprachkultur wiederbelebt wurde. Von Haus aus bin ich erzogen, den Menschen mit Höflichkeit zu begegnen und sie rücksichtsvoll zu behandeln. Und das reicht völlig aus, um untereinander konfliktlos zu verkehren. Respekt wiederum sollte man wie Bonuspunkte den Menschen erweisen, die es verdient haben. Respekt muss man sich nämlich verdienen. Religiöser Fanatismus, Förmlichkeit, Nationalität genauso wie Farbblindheit und Tinnitus sind keine Leistungen, die Respekt verlangen dürfen. Ein „Pauschal-Respekt“ für Menschen, deren Biographie man nicht kennt, ist immer ein Risiko. Aus ähnlichen, wenn auch nicht den gleichen Gründen ist man nicht mit jedem automatisch per „Du“. Mit einem flächendeckenden, bedingungslosen Respekt tut man auch den Idioten einen Gefallen, die diese Art von großzügiger Höflichkeit und Toleranz, niemals erwidern werden können. Aus dem Grund werde ich die Unversehrtheit der europäischen Kultur verteidigen (weil das alles ist, was ich als Atheist, Humanist und Europäer habe) und keine unnatürlichen, also politisch konformen Veränderungen tolerieren. Denn genauso wie Gilbert Keith Chesterton finde ich: „Toleranz ist die Tugend des Mannes, der keine Überzeugungen hat.“ Und ich habe welche.

Ryszard Kotonski

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8 Antworten zu Aufstand der Mutanten

  1. Tork schreibt:

    Ist Holocaustleugnung auch Mutig? Ist es mutig über Juden als Tätervolk zu sprechen? Ist es mutig zu sagen, dass Demokratie hinfällig ist? Islam Zindabad.

    • Tangsir schreibt:

      Ihr seid doch schon seit 1400 Jahren so mutig. So goldige Kerle wie ihr lassen sich natürlich nicht einschüchtern und treten auch weiterhin für diese Idiotie ein. Ausserdem sind die Zeichen unübersehbar nach der der Islam hinfällig ist und man der Demokratie Zendebâd rufen sollte. Was wärt ihr schriftgläubige Muslime auch ohne die Juden und euer Hass gegen sie. armesliges Pack Turans!

      • Tork schreibt:

        Ja gut. Wenn du meinst, was du ja auch so meinst 😉

        Immer dieser Judeozentrismus…
        Islam Zindabad weil dieses System die Überlebensdauer jeder Demokratie übertoffen hat. Den Rest von dir werde ich nicht kommentieren, weil das unsachlich ist.

        • Tangsir schreibt:

          Was hast du überhaupt mit Juden und Israel zu tun, wenn du in Instanbul lebst. Sollte deine erste Sorge nicht die sein dem Islam und Türkentum abzuschwören oder dir ansonsten Gedanken darüber zu machen wo du in Kasachstan oder Mongoloei lieber leben möchtest. Was wir hier im Blog ankündigen haben wir natürlich vor umzusetzen, auch wenn es nicht so leicht wird, aber am Ende dieses Prozesses wird die Türkei als eigenständiges Land aufgelöst und seine renitenten Besatzer nach Hause geschickt. Das sind die einzigen Themen über die ich mit dir als Tork sprechen möchte.

          Die Juden interessieren mich auch nicht weiter. Im Grunde sind die Juden ein langweiliges Volk, auch wenn sie in ihren Propaganda-Werbevideos gerne den Eindruck erwecken wollen ihre Städte wären Orte zum entspannen und abfeiern. Letztendlich sitzen die Israelis ständig in ihren Büros, erfinden Dinge, die du dann im Alltag benutzt oder machen sich Gedanken darüber wie man euren Raketen ausweicht. Solche Leute sind nicht die Party-Macher wie ihr Türken, wenn ihr auf Touristinnen-Jagd geht und mit denen Dinge anstellt, dass sie sich nur noch wünschen euer Drecksland so schnell wie möglich zu verlassen und nie wieder zu betreten, ausser Claudia Roth, der gefällts.

          Also Mausi, wenn du auf die sachlichen Beiträge von Isley und Jahângir nicht antworten möchtest, dann heisst es you an me baby. Wenns sein muss buche ich dir persönlich deinen Ticket nach Kasachstan.

  2. exdaene schreibt:

    Danke Tangsir, wieder einmal ein geist- und gehaltvoller Beitrag. Wird verbreitet.

  3. mensch schreibt:

    Von mir auch vielen DANK für den hervorragenden Beitrag.

    مرگ بر اسلام

    • Mensch schreibt:

      Upps! „das einstellen des hervorragenden Beitrags“ natürlich, Da ja nicht von dir geschrieben.

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