Die Christenverfolgungen im Spiegel kirchlicher Geschichtsschreibung

Henryk Siemiradzki: Neros Fackeln (Weisendes Licht des Christentums)Vor allem werden den Heiden nun, kurz nach der letzten Christenverfolgung, eben diese Verfolgungen vorgehalten und sogleich gigantisch übertrieben – bis tief ins 20. Jahrhundert hinein, wo man noch in dessen zweiter Hälfte das Christentum schon vom Ende des 1. Jahrhunderts an »in seinem eigenen Blute waten« sieht, mit der »ungeheuren Schar heroischer Gestalten« prahlt, »die, die Stirnen von Martyrerblut gezeichnet, das ganze zweite Jahrhundert durchziehen« (Daniel-Rops)

wobei man gerade noch, 1956 (!), zugibt, es seien »nicht Millionen« gewesen (Ziegler). Seriösere Forscher schätzten die Zahl der christlichen Opfer gelegentlich, nicht unwidersprochen, auf 3000, auf 1500 – in allen drei Jahrhunderten! Wie problematisch diese Zahl sein mag: die Christen erschlugen in Mittelalter und Neuzeit mehr Juden häufig in einem einzigen Jahr, manchmal an einem einzigen Tag!

Ein so achtunggebietender Christ wie der 254 gestorbene Origenes (vgl. S. 171) – dessen eigener Vater Märtyrer war und der auch selbst gefoltert wurde – nannte die Zahl der christlichen Blutzeugen »klein und leicht zu zählen«. Tatsächlich sind die meisten »Märtyrerakten« gefälscht, sind viele heidnische Kaiser gar keine Christenverfolger gewesen, hat der Staat die Christen gar nicht wegen ihrer Religion behelligt.

In Wirklichkeit begegneten viele altgläubige Beamte den Christen so nachsichtig wie möglich. Sie gaben ihnen Bedenkzeit, übergingen Verordnungen, gestatteten Betrug, entließen sie aus der Haft oder verrieten Christen juristische Tricks, wie sie, ohne ihren Glauben zu verleugnen, freigesprochen werden konnten. Sie schickten sich selber Denunzierende wieder nach Hause und quittierten nicht selten noch ihre Provokationen gelassen. Schon Bischof Euseb aber, der »Vater der Kirchengeschichte«, wird in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts nicht müde, uns wahre Schauermärchen über die bösen Heiden aufzutischen, die schlimmen Christenverfolger.

Euseb, Christian Mutherfucker

Er verwendet dafür das ganze achte Buch seiner ›Kirchengeschichte‹, von dem gewiß auch gilt, was ein Kenner vor allem vom 9. und 10. Buch dieses Werkes sagt (unsere fast einzige Quelle für die ältere Kirchengeschichte!): »Emphase, Umschreibung, Auslassung, Halbwahrheit und sogar Urkundenfälschung ersetzen die wissenschaftliche Interpretation sicherer Dokumente« (Morreau). Immer wieder werden da durch die verruchten Heiden – tatsächlich durch Bischof Euseb – die Christen, die »wahrhaft wunderbaren Streiter«, gemartert, mit Geißelhieben, mit Folter und Schabmesser zerfleischt, der Bauch, die Waden, Wangen, Beine zerbrochen, die Nasen abgeschnitten, Ohren, Hände, die restlichen Glieder zerstümmelt.

Euseb rührt Essig und Salz in die Wunden, treibt scharfes Schilfrohr durch die Nägel, die Finger, verbrennt die Rücken durch kochendes Blei, brät die Dulder auf einem Rost »zwecks langer Peinigungen«. Und bei all dem und vielem mehr sind diese Helden standhaft, guten Mutes, in bester Verfassung. »Ja, sie jubelten und sangen dem Gott des Alls Lob- und Danklieder bis zum letzten Atemzug.«

Andere Christgläubige, weiß Euseb, wurden »auf Befehl der Dämonendiener« in die Tiefen des Meeres versenkt, wurden gekreuzigt, geköpft – »bisweilen sogar hundert Männer nebst kleinen Kindern (!) und Weibern an einem einzigen Tag … Das Richtschwert wurde stumpf … die Henkersknechte mußten sich vor Erschöpfung gegenseitig ablösen.« Wieder andere warf man »menschenfressenden Bestien« vor, wilden Ebern, Bären, Panthern. »Wir selbst waren bei diesen Kämpfen zugegen (!) und sahen, wie die göttliche Kraft unseres Erlösers Jesus Christus, dem das Zeugnis galt, erschien … Und wenn die Bestien je zum Sprunge ansetzten, wichen sie, wie von einer göttlichen Kraft angehalten, immer wieder zurück.«

Von Christen – »fünf waren es im ganzen« –, die ein »wütender Stier« zerfetzen sollte, berichtet der Bischof: »So sehr er mit den Füßen stampfte und mit dem Gehörn hierhin und dorthin stieß und, durch glühendes Eisen gereizt, Wut und Verderben schnaubte, er wurde von der heiligen Vorsehung zurückgedrängt.
Christliche Geschichtsschreibung!

Einmal erwähnt Euseb »ein ganzes von Christen bewohntes Städtchen in Phrygien«, dessen Bewohner man »samt Frauen und Kindern« verbrannte – unterschlägt aber leider den Namen des Ortes. Überhaupt weicht er, obwohl ja wiederholt Augenzeuge, genaueren Angaben in der Regel geflissentlich aus, renommiert jedoch unentwegt mit »zahllosen Scharen«, kennt »große Massen«, teils durchs Schwert hingerichtet, teils verbrannt, »unzählige Männer mit Weibern und Kindern« (!), die »um der Lehre unseres Erlösers willen … auf verschiedene Weise« starben. »Ihre Heldentaten sind über jede Beschreibung erhaben.«

Henryk Siemiradzki: Christian Dirce
Es sei nicht unerwähnt, daß 335 auf dem Konzil von Tyrus der ägyptische Bischof Potamon von Herkleia Bischof Euseb des Abfalls während der Verfolgung bezichtigt hat. Freilich ist dies unbewiesen und kann auch, wie so oft, Verleumdung eines Amtsbruders durch einen Amtsbruder sein. Der Verfolgung in Gallien im Jahr 177 unter Mark Aurel (161–180), dem Philosophen auf dem Kaiserthron (dessen »Selbstbetrachtungen« noch Friedrich II. von Preußen bewundert), rühmt Euseb »Zehntausende von Märtyrern« nach.

Die Martyrologien zu der Verfolgung in Gallien unter Mark Aurel aber nennen – 48 Märtyrer. Und davon bleiben selbst im ›Lexikon für Theologie und Kirche‹ noch acht Märtyrer übrig; die hl. Blandina »mit dem hl. Bischof Potinus und sechs anderen Genossen«. Dagegen ist später die Zahl der heidnischen Märtyrer in Gallien »besonders … groß« (C. Schneider).

Von der Christenverfolgung Diokletians, wider Willen des bedeutenden Herrschers die härteste überhaupt, konnte Euseb, da den Zeitgenossen noch bekannt, nicht mehr Zehntausende von Opfern (mehr bewundern als) beklagen. (Verfolgungen sind Kirchenführern häufig willkommen. Auch bei Päpsten des 20. Jahrhunderts kann man dies lesen. Verfolgungen pulvern auf, treiben zu engerem Zusammenschluß – die beste Propaganda durch die Zeiten!) Euseb, der »über die Märtyrer in Palästina« eine gesonderte Schrift publizierte und in seiner Kirchengeschichte schreibt: »Wir kennen diejenigen aus ihnen, die in Palästina … sich hervorgetan«, Euseb nennt nun nicht mehr »Zehntausende«, sondern eine Gesamtzahl von 91 Märtyrern. 1954 überprüfte de Ste Croix in ›Harvard Theological Review‹ die Angaben des »Vaters der Kirchengeschichte«, wobei noch sechzehn Märtyrer übrigblieben – in der schlimmsten und zehnjährigen antiken Christenverfolgung in Palästina nicht einmal zwei pro Jahr. Trotz allem hielte einer seiner heutigen Verteidiger den Schluß für verfehlt, Euseb »habe keinerlei wissenschaftliches Gewissen gehabt« (Wallace-Hadrill).

Selbst die heidnischen Kaiser aber, von »Gott« gesandt doch, Repräsentanten seiner »Ordnung«, wurden jetzt durch den ärgsten kirchenväterlichen Dreck gezogen. Waren sie für Athenagoras im späten z. Jahrhundert noch gütig und mild, weise und wahrheitsliebend, friedfertig, wohltätig, wissensdurstig, geißelt man sie schon im frühen 4. Jahrhundert als Monstra ohnegleichen.

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7 Antworten zu Die Christenverfolgungen im Spiegel kirchlicher Geschichtsschreibung

  1. Tangsir schreibt:

    Jeder kennt die Schauermärchen über die Verfolgung der ach so armen Christen. Die Christen waren in den ersten Jahrhunderten nicht Opfer von Verfolgung, sondern selbst die größten Fanatiker, die Andersgläubige verfolgten, marterten und töteten, ihre Bücher zerstörten und ihre Bibliotheken und Tempel schleiften und ihre Reliquien klauten, so wie der Islamische Staat es heute tut.

    Im kollektiven Gedächtnis sind aber Christen, vor allem die Ur-Christen, gutmütige Menschen gewesen, die sich lieber selbst opferten und durch ihren tausendfachen Tod und Gewaltverzicht, ein Zeichen für Frieden und Toleranz setzten.

    Da dauerte es nicht lange bis ich auch einige Idioten der Blogosphäre auftreiben konnte, die immer noch total ungebildet und gehirnamputiert, die Mär von den bösen römischen Kaisern und den Christenverfolgungen verbreiten.

    Ein Hiltibold aus Graz hat sogar „weiterführende Literatur“ auf seine Seite aufgelistet. Schaut euch diese christliche Witzfigur an:
    http://hiltibold.blogspot.de/2013/07/der-vielbewunderte-philosophenkaiser.html

    Ein anderer Blog ist dieser:

    https://sirdoomsbadcompany.wordpress.com/2013/03/30/die-sache-mit-der-christenverfolgung/

    Als Entschuldigung kann man anführen, dass es sich hierbei wahrscheinlich noch um einen Teenager handelt, was natürlich keine Entschuldigung für Blödheit und mangelnde Bildung ist, aber da sieht man was für intellektuelle Zombies an deutschen Schulen heran gezüchtet werden.

    Was allerdings schlimmer wiegt, ist, dass dieser Teenager auf wissenrockt.de verlinkt, dass sich inzwischen humanistisch.net nennt. wissenrockt und humanistisch.net sind beide Gründe, um sich vom Begriff humanistisch zu distanzieren. Da schreibt ein gewisser Dr. Bergmann oder wie auch immer er sich nennt. Ich habe selten einen blöderen Menschen wie diesen Typen getroffen.

    Der Text im Blogartikel ist übrigens vom ersten Band von Deschners Kriminalgeschichte des Christentum.

  2. Tangsir schreibt:

    Was übrigens noch an den Ausführungen von Deschner zu Euseb auffällt, ist die Liebe zu grausamen Details der Folter, die nie passiert sind. Daraus speisen sich diese sadistischen Züge im Christentum oder in populären Splatter-Filmen, die ihre Inspiration aus dem Christentum schöpfen. Es ist nicht nur die Aussicht auf der Hölle, sondern auch was Christen durchmachen mussten, um endlich für alle zu ermöglichen in Frieden zu leben. Deshalb sind Christen immerzu sehr militant, wenn es um die Abschaffung ihres illegitimen Besitzes und Machtstellung geht.

    Die Christen waren die Seuche der Antike und sind es heute umso mehr. Den Islam zu bekämpfen, ohne das Christentum und den Besitz der Kirchen in Frage zu stellen, macht keinen Sinn.

  3. Eseltürke, der sich als Armenier ausgibt schreibt:

    [Von Tangsir editiert]

    Auch Türkentum unter der Verkleidung der Blödheit wird hier erkannt.

    • Tangsir schreibt:

      Du bist kein Armenier, sondern ein blöder Türke, der sich hier als Armenier ausgibt um sie zu verhöhnen. Nichts spezifisches konntest du über die Armenier erzählen und nur eine konstruierte Geschichte aufgetischt, die in seiner Blödheit einfach lachhaft ist, aber so ist es eben bei euch Türken. Ihr macht Ih-Ah und hält es für große Kunst.

      Dieses ganze Jammern über die Armenier zeigt wie krankhaft ihr Türken die Armenier immer noch ausrotten wollt und von welch immensem Hass ihr auf sie geleitet seid.

      Man muss sich nur mal vorstellen wie tief der Schwanz in des Türken Arsch steckt, dass er hierherkommt, um sich als Frau auszugeben, und dann auch noch als Mitglied einer Minderheit, um diese Minderheit zu verhöhnen.

      Der Türke, als Transe und Betrüger, als gehässiger überflüssiger Mensch. Das seid ihr und nur durch Vergewaltigung werdet ihr gezeugt.

      Alle Kommentare dieses Hayastan wurden gelöscht und ich werde in Zukunft noch mehr darauf achten, dass hier keine Idioten und Schwachköpfe schreiben.

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