Die vielen Gesichter des Türkentum (7) | Atatürk -> Hitler -> Erdogan | Das Ariertum ist exklusiv deutsch-türkischen Ursprungs

erdoplural

In den Morgenstunden des 30. Oktober 1933 marschierten in der Berliner Tiergartenstraße mehr als einhundert SA-Leute auf und bildeten eine Ehrenformation vor der türkischen Botschaft, wo sie trotz des Regens bis Mitternacht blieben. Im Laufe des Tages gaben sich nationalsozialistische Größen hier die Klinke in die Hand. Die Gattin des Botschafters erhielt ein Blumengebinde mit Hakenkreuz und Halbmond. Anlass des Spektakels war der zehnte Jahrestag der türkischen Republik. Die deutsche Rechte war nach dem Abschluss des Versailler Vertrags, der die deutsche Schuld am Ersten Weltkrieg festgeschrieben hatte, von einem wahren Türkenfieber erfasst. Der türkische Befreiungskampf (sic!) diente der noch winzigen Nazipartei in ihrer Gründungsphase als Leitbild. Man wünschte sich auch für Berlin „deutsche Mustafas“, keine „Erfüllungspolitiker“. Hitler selbst bezeichnete Atatürk 1933 in einem Interview für die türkische Zeitung „Milliyet“ als „leuchtenden Stern“ in der nationalsozialistischen „Kampfzeit“. Er blieb dies auch nach seinem Tod 1938; jetzt nahm die Verehrung hagiographische Züge an. Atatürk galt – so formulierte es 1937 ein österreichischer Diplomat – als „Vorkämpfer und Wegbereiter des autoritären Regimes, wie es sich in der Folge in Europa eingebürgert und immer mehr durchgesetzt hat“. Unabhängig von der kemalistischen oder türkischen Wirklichkeit legten sich die Nationalsozialisten Atatürk schon früh als Schöpfer eines modernen Staates zurecht. Beides – Staat und Schöpfer – setzten sie als Leitfiguren für ihre eigenen Absichten und machten von ihnen vollen propagandistischen Gebrauch. So wurden in den Betrachtungen der Parteipresse der Aufbau der neuen Türkei und die Schaffung des neuen Deutschlands vergleichbar. Die Modernisierung der Türkei wurde als völkische Errungenschaft, als Sieg des türkischen Nationalcharakters dargestellt. Die ethnische Homogenisierung des türkischen Staates gegenüber dem Vielvölkergemisch des Osmanenreichs war ebenfalls Vorbild für die Rassenpolitik der Nationalsozialisten.

Adolf Hitler: „Die Türkei ist unser Modell.“ Wiederholt sprach er von Atatürk als dem „Stern in der Dunkelheit“. 1936 hatte ein Rundschreiben des Büros der NSDAP für Rassenpolitik die Türken zu „Ariern“ und zu Europäern geadelt. Ihrig arbeitet heraus, wie sehr die Nationalsozialisten im türkischen Befreiungskrieg „die“ nationale Revolution ihrer Zeit sahen und in Atatürks Republik das vorweggenommene Führerprinzip, wie sie den modernen türkischen Staat bewunderten, seine „völkische gute Praxis“ als Gegenmodell zum Vielvölkerstaat Osmanisches Reich und besonders die Art, wie dieser mit „Minderheitenfragen“ umging. Häufig verwendete Hitler „Juden, Armenier und Griechen“ als Beispiele für „minderwertige Rassen“ in einem Atemzug. Die gleichgeschaltete Nazipresse feierte die Auslöschung der Armenier (1915) rückblickend als den Beginn des Aufstiegs der „Neuen Türkei“, als eines wahrhaft türkisch-nationalen Staats.

Erdogan lobt Hitler-Deutschlands Regierungssystem. Recep Tayip Erdogan: „In einem Einheitssystem (wie in der Türkei) kann ein Präsidialsystem sehr gut bestehen. Es gibt aktuell Beispiele in der Welt und auch Beispiele in der Geschichte. Sie sehen das Beispiel dazu in Hitler-Deutschland“, sagte er am Donnerstagabend laut Zeitungsberichten vor Journalisten, nachdem er von einer Reise nach Saudi-Arabien zurückgekehrt war.

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Eine Antwort zu Die vielen Gesichter des Türkentum (7) | Atatürk -> Hitler -> Erdogan | Das Ariertum ist exklusiv deutsch-türkischen Ursprungs

  1. Tangsir schreibt:

    Ein kleines Update des Titels und Hervorhebung damit Nazichristen. Türkennazis und sonstige Nazis direkt auf der Hauptseite über das Ariertum aufgeklärt werden können.

    Gern geschehen!

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