Kulturelle und begriffliche Missverständnisse

MarrydelValpacelli - Feierlicher Abschluss eines Staatskirchenvertrags (hier Konkordat mit Serbien, 1914)  "G.<iuseppe> Felici, fotografo papale" (1839-1923) - Vatican photoMissverständnisse, gibt es immer mal wieder. Manchmal sind es Missverständnisse um Begrifflichkeiten, manchmal aber auch Lügen, oder die Unterlassung von Informationen, und wer würde nicht auch vermuten, dass Nachlässigkeit oder Desinteresse der Gründe sein könnten, und nicht etwa die kalkulierte Lüge, oder Propaganda, das in erste Linie nur einem selbst hilft, aber nicht der Sache um die gerungen wird.

Missverständnisse finden wir z.b. bei Henryk Broder, der schreibt: „Eine weitgehend säkulare Gesellschaft, in der sogar die Kirchen das Prinzip der Trennung von Kirche und Staat bejahen“. Ist es wirklich so, dass ein Staat, das Kirchensteuer erhebt und Ausbildung und Betrieb der Kirchen finanziert säkular ist? und ist den Kirchen das Prinzip der Trennung von Staat und Kirche wirklich bewusst, für deren Bedienstete das Strafrecht nicht gilt? So etwas lassen sich die Kirchen gerne gefallen und bejahen es selbstverständlich.

Hier übrigens eine lange Liste an Staatsverträgen mit den christlichen Kirchen, die obige Situation möglich machen. Nur falls sich jemand die Frage stellt wieso einzelne Bundesländer nun diesem Beispiel folgen und dieselben Verträge, die übrigens nur im beidseitigen Einvernehmen kündbar sind, mit Moslemverbänden abschliessen wollen.

Derzeit in Deutschland geltende Konkordate:

  • Bayerisches Konkordat vom 29. März 1924
  • Preußenkonkordat vom 14. Juni 1929
  • Badisches Konkordat vom 12. Oktober 1932
  • Reichskonkordat vom 20. Juli 1933
  • Vertrag des Landes Hessen mit den Katholischen Bistümern in Hessen vom 9. März 1963
  • Konkordat zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Lande Niedersachsen vom 26. Februar 1965
  • Ergänzungsvertrag zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Land Nordrhein-Westfalen vom 26. März 1984 (Besonderheit s. Artikel X zur möglichen Öffnungskausel)
  • Vertrag zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Freistaat Sachsen vom 2. Juli 1996
  • Vertrag zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Freistaat Thüringen vom 11. Juni 1997
  • Vertrag zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Land Mecklenburg-Vorpommern vom 15. September 1997
  • Vertrag zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Land Sachsen-Anhalt vom 15. Januar 1998
  • Vertrag zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Land Brandenburg vom 12. November 2003
  • Vertrag zwischen der Freien Hansestadt Bremen und dem Heiligen Stuhl vom 21. November 2003
  • Vertrag zwischen dem Heiligen Stuhl und der Freien und Hansestadt Hamburg vom 29. November 2005
  • Vertrag zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Land Schleswig-Holstein vom 12. Januar 2009

In Deutschland gelten daneben folgende Kirchenverträge:

  • Vertrag zwischen dem Bayerischen Staate und der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern rechts des Rheins vom 15. November 1924
  • Vertrag des Freistaates Preußen mit den Evangelischen Landeskirchen[1] vom 11. Mai 1931
  • Vertrag der Bundesrepublik Deutschland mit der Evangelischen Kirche in Deutschland zur Regelung der evangelischen Militärseelsorge vom 22. Februar 1957
  • Vertrag des Landes Schleswig-Holstein mit den Evangelischen Landeskirchen in Schleswig-Holstein vom 23. April 1957
  • Vertrag des Landes Nordrhein-Westfalen mit den Evangelischen Kirchen von Rheinland und Westfalen vom 9. September 1957
  • Vereinbarung des Landes Niedersachsen mit den Evangelischen Landeskirchen in Niedersachsen über die Privatschulen vom 10. September 1957
  • Vertrag des Landes Nordrhein-Westfalen mit der Lippischen Landeskirche vom 6. März 1958, Ergänzung vom 26. September 1959
  • Vertrag des Landes Hessen mit den Evangelischen Landeskirchen in Hessen vom 18. Februar 1960
  • Vertrag des Landes Rheinland-Pfalz mit den Evangelischen Landeskirchen in Rheinland-Pfalz vom 3. November 1962
  • Ergänzungsvertrag des Landes Niedersachsen mit den evangelischen Kirchen vom 4. März 1965
  • Vereinbarung über die evangelische Seelsorge im Bundesgrenzschutz vom 20. bis 23. Juli/12. August 1965
  • Vertrag des Saarlandes von 1968 über den Theologischen Lehrstuhl der Universität Saarbrücken
  • Vertrag des Landes Niedersachsen mit der Freireligiösen Landesgemeinschaft Niedersachsen vom 8. Juni 1970
  • Abschließendes Protokoll des Landes Berlin über Besprechungen mit der Evangelischen Kirche vom 2. Juli 1970
  • Vereinbarung zwischen dem Senat von Berlin und der Jüdischen Gemeinde zu Berlin vom 8. Januar 1971
  • Vereinbarung über den kirchlichen Dienst an Polizeibeamten (Polizeiseelsorge) im Saarland vom 25. Oktober 1978 (auch mit römisch-katholischen Diözesen)
  • Düsseldorfer Vertrag des Landes Nordrhein-Westfalen zum Hochschulwesen vom 29. März 1984
  • Vertrag zwischen dem Land Hessen und dem Landesverband der Jüdischen Gemeinden in Hessen vom 11. November 1986
  • Vereinbarung des Freistaates Sachsen mit den Ev. Kirchen im Freistaat Sachsen zur Regelung der seelsorgerlichen Tätigkeit in den Justizvollzugsanstalten vom 25. Januar 1993
  • Wittenberger Vertrag des Landes Sachsen-Anhalt mit den Evangelischen Landeskirchen in Sachsen-Anhalt vom 15. September 1993
  • Vertrag zwischen dem Freistaat Thüringen und der Jüdischen Landesgemeinde vom 1. November 1993
  • Güstrower Vertrag zwischen dem Land Mecklenburg-Vorpommern und der Ev.-Luth. Landeskirche Mecklenburgs und der Pommerschen Landeskirche vom 20. Januar 1994
  • Vertrag des Freistaates Thüringen mit den Ev. Kirchen in Thüringen vom 15. März 1994
  • Vertrag des Landes Sachsen-Anhalt mit der Jüdischen Gemeinschaft in Sachsen-Anhalt vom 23. März 1994
  • Vertrag des Freistaates Sachsen mit den ev. Landeskirchen im Freistaat Sachsen vom 24. März 1994
  • Vereinbarung zwischen dem Land Sachsen-Anhalt und den Ev. Kirchen im Land Sachsen-Anhalt zur Regelung der seelsorgerlichen Tätigkeit in den Justizvollzugsanstalten vom 24. März 1994
  • Vereinbarung zwischen dem Land Sachsen-Anhalt und den Ev. Kirchen im Land Sachsen-Anhalt über den kirchlichen Dienst an Polizeibeamten
  • Vertrag des Freistaates Sachsen mit dem Landesverband der Jüdischen Gemeinden vom 7. Juni 1994
  • Vertrag über die Gestellung im kirchlichen Dienst für den Religionsunterricht an öffentlichen Schulen im Freistaat Sachsen vom 7. September 1994 (abgeschlossen auch mit den katholischen Bistümern)
  • Rahmenvereinbarung der Bundesrepublik Deutschland mit der Evangelischen Kirche in Deutschland über die evangelische Seelsorge in der Bundeswehr im Bereich der neuen Bundesländer vom 12. Juni 1996
  • Vertrag zwischen dem Land Brandenburg und den evangelischen Landeskirchen in Brandenburg vom 8. November 1996
  • Vertrag zwischen der Jüdischen Gemeinde in Hamburg und dem Land Schleswig-Holstein über die Förderung jüdischen Lebens in Schleswig-Holstein vom 12. März 1998
  • Vertrag zwischen dem Land Rheinland-Pfalz und dem Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Rheinland-Pfalz vom 8. März 2000
  • Vertrag der Freien Hansestadt Bremen mit den Evangelischen Kirchen in Bremen vom 31. Oktober 2001
  • Staatsvertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Zentralrat der Juden in Deutschland vom 27. Januar 2003
  • Vertrag zwischen der Freien und Hansestadt Hamburg und der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche 29. November 2005
  • Vertrag des Landes Berlin mit der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz vom 20. Februar 2006
  • Evangelischer Kirchenvertrag Baden-Württemberg vom 17. Oktober 2007 (mit den Evangelischen Landeskirchen in Baden und Württemberg; ersetzt den Vertrag des Freistaates Baden mit der Vereinigten Evangelisch-protestantischen Landeskirche Badens vom 14. November 1932 und – für Sigmaringen – den Vertrag des Freistaates Preußen mit den Evangelischen Landeskirchen vom 11. Mai 1931)

Wie man sieht, sind auch die mit den Nazis (Heil Hitler) geschlossenen Kirchenverträge weiterhin gültig. 🙂

Zunächst aber zurück zu Broder, der Säkularität vortäuscht und mal wieder auf den Islam zu sprechen zu kommen. zum wiederholten male, und seit einer Ewigkeit so scheint es, so oft hat man die fette und bärtige Fresse von Broder dabei beobachten dürfen, wie er den Islam thematisiert. Was bleibt aber eigentlich vom ganzen Gelaber übrig, nach den vielen Jahren des Gelabers? Welche Lösungen werden angeboten, ausser simplizistische und populistischen wie dem Verbot von Hijab u.ä.

Hamed Abdel-Samad regte an, dass die christliche Ordnung in Deutschland sich wandeln muss, will man ernsthaft gegen Islamisierung vorgehen. Seine Worte blieben aber ungehört und er selbst bald ausserhalb Deutschlands. Wieso aber kommt kein sogenannten „Islamkritiker“, der gleichzeitig sein christliches Abendland retten will, auf die Idee die Staatsverträge mit Religionsgemeinschaften insgesamt zu kündigen? Welches Recht ausser der Religionsfreiheit sollte Religionsgemeinschaften sonst zugebilligt werden?

Dummheit und Unwissenheit spielen sicher eine Rolle, dass Kirchenstaatsverträge von Buvos der Freiheit und „Islamaufklärer“ nicht thematisiert werden. Aber nicht nur, denn eigentlich geht es den Rechtschristen nicht um tragbare Lösungen, und keineswegs wollen sie eine weitere Trennung von Staat und Kirche, denn ihrer Meinung nach müssten religiöse Werte umso mehr in Staat und Gesellschaft verankert werden.

Was aber an Broders Anbiederei an den Rechten und Rassisten wirklich übel aufstösst, ist eine Symbiose mit PI-News und den Rechtschristen insgesamt. Das sage übrigens nicht ich, sondern die Kommentatoren bei PI, unter dem Beitrag von Broder, das freundlicherweise von einem fanatischen christlichen Autor bei Pi verlinkt worden ist:

Woolloomooloo   (30. Dez 2014 15:12)

Den täglichen Broder gib uns heute. Er soll sich mal nach Dresden bequemen, da kann er dann eine Rede halten.

Ash   (30. Dez 2014 15:43)

PI und Broder haben doch schon so manche Symbiose miteinander durch, gelle?
Dass man nicht immer und überall 100%ig einer Meinung ist, tut der kritischen Islameinstellung Henryk M. Broders keinen Abbruch.

Broder stört dies nicht und als Journalist ist er nicht so blöd wie Abdel-Samad gleich die christliche Ordnung in Frage zu stellen, denn im Gegensatz zu ihm will Broder nicht die Welt verändern, sondern bloß sein Publikum zufrieden stellen, um seinem Portemonnaie und Ego zu schmeicheln. Es ist aber nicht nur der Broder, der gerne lügt oder das Unterlassen von Informationen betreibt. Markus Günther schreibt in der FAZ vom langsamen Tod der Kirche in Deutschland und wünscht sich dabei mehr Naivität, um christlichen Bullshit glauben zu schenken, als sei genau das was den Menschen zum glücklich sein fehlt. Günther schreibt:

Die Spätzeit des Christentums in Deutschland hat begonnen. Die Kirchensteuer wird entweder unter politischem Druck abgeschafft oder versiegt spätestens ab 2030 sowieso; die letzte christlich sozialisierte und kirchlich aktive Generation scheidet bald aus dem Arbeitsleben aus und stirbt in den nächsten drei Jahrzehnten. Dann bricht auch die Fassade der Kirche zusammen. Dahinter wird eine Minderheit zum Vorschein kommen, die nicht viel größer sein wird als die Gemeinschaft der Zeugen Jehovas.

So hört sich der hysterische gläubige Christ an, und wenn man vom gläubigen Christen spricht, so kann und sollte man sich grundsätzlich das adjektiv fanatisch oder fundamentalistisch sparen, denn dies sollte in dem Begriff gläubiger Christ bereits eingepreist sein. Wie bitte? Die Kirchensteuer soll abgeschafft werden? Welcher wahnsinniger Politiker kündigt denn sowas an? also ich kenn keinen, und wieso versiegt es ab 2030 sowieso? weil wir dann hoffentlich eine muslimische Mehrheit haben werden? Meine Güte, welch ein Schwachsinn diese Christen sich leisten, und ich musste mir auch noch den ganzen Artikel antun.

Aber was solls, für mich ist es gruseln for fun, als ob das ganze zum lachen wäre. Papst Ratzinger entliess in seiner Zeit 400 pädophile Diener Gottes. Franziskus hat sein Rekord gebrochen und entliess 1000 pädophile Bedienstete Gottes. Insgesamt sind es also 1400 Pädos, die Pensionen erhalten und straffrei ausgehen, so zumindest wenn sie in Südamerika oder Europa tätig waren. Die USA hat keine Kirchenstaatsverträge und demgemäß  müssen dort einige ganz irdisch büssen.

Die Moslemverbände möchten übrigens in dieselbe gesetzliche Lücke schlüpfen und endlich mehr Geld, gesetzliche Anerkennung und Sonderbehandlung vor dem Gesetz. Die Paralleljustiz der Kirchen gibt es schon, die Muslime fordern lediglich gleiches Recht für alle.

Dass die Kirchen und mit ihnen, ihre Anhänger in Deutschland, das straffreie Ficken mit Kindern nicht aufheben wollen, ist also der eigentliche Grund für die Islamisierung unseres schönen deutschen Landes, und das peinlichste daran ist, dass ein Ausländer dies den Einheimischen erzählen muss.

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