Antiiranische Geschichtsschreibung

Lost EnlightmentJürgen Osterhammel behauptet in der FAZ, dass S. Frederick Starr in seinem Buch „lost enlightenment folgendes behauptet hat: Vor tausend Jahren lag das Zentrum der Aufklärung in Zentralasien. Doch warum konnte sich der rationale Islam dann nicht durchsetzen? Aber was ist mit Zentralasien gemeint und was zum Teufel hat der Islam damit zu tun?

Die „orientalische Scholastik“, so Ernst Bloch 1952 in seiner Schrift „Avicenna und die aristotelische Linke“, sei „eines der Quellgebiete unserer Aufklärung“, und sie sei dies in viel höherem Maße als die Scholastik des lateinischen Mittelalters. Die eigentümliche Begeisterung an den Höfen und in den Gelehrtenschulen des muslimischen Mittleren Ostens für die Philosophie der griechischen Antike habe zu deren eigenständiger Weiterbildung geführt, zu weit mehr als einer bloß bewahrenden Vermittlung des aristotelischen Denkens an das christliche Europa.

S. Frederick Starr sieht das ähnlich. Er ist ein einflussreicher Zeithistoriker und Gegenwartsanalytiker Russlands, Afghanistans und der vormals sowjetischen Länder Zentralasiens, der sich tief in die Geschichte, vor allem die Geistesgeschichte, „seiner“ Region hineingegraben hat und nun die Funde gründlicher Studien mit spürbarem Enthusiasmus vorstellt.

Scharf gezeichnete Chrakterporträts

Das heute verarmte und vergessene Zentralasien, eine geistige Wüstenei und für westliche Medien bestenfalls als Kriegsschauplatz von flüchtigem Interesse, war im 10. und 11. Jahrhundert das intellektuelle Zentrum Eurasiens und damit der Welt. Frei von erstickendem Religionszwang wurde hier Aufklärung praktiziert, wenn nicht sogar erfunden: wagemutige Untersuchungen des Menschen und aller Bereiche der Natur, scharfsinnige mathematische Beweisführungen, kühne Spekulationen über Metaphysik und Moral.

Das ist die tragende These des Buches. Sie bezieht ihre Würze aus knappen Seitenblicken auf das China und den Okzident der damaligen Zeit, die beide an den geistigen Höhenflug der muslimischen Welt nicht heranreichten. Und sie lebt von scharf gezeichneten Charakterporträts: des Philosophen und Arztes Ibn Sina (Avicenna, 980-1037), der viele seiner Werke auf der Flucht vor Tyrannen und im Exil schrieb; seines großen Rivalen und Dialogpartners, des alle überstrahlenden Universalgelehrten al Biruni (973-1048), den eine dreizehnjährige Forschungsreise tief hinunter nach Indien führte; des Mathematikers, Astronomen und Dichters Omar Khayyam (1048-1131), der eine nichteuklidische Geometrie entwarf und dessen präzise Kalenderberechnungen bis heute verblüffen.

Die Umrisse von Zentralasien

Starr umgibt diese Genies mit einem Kranz weniger bekannter, aber kaum blasserer Zeitgenossen, etwa al Razi (865- 925), des ersten klinischen Experimentators, oder des Logikers und Musiktheoretikers al Farabi (zirka 870-950). Er situiert sie anschaulich in einer kosmopolitischen städtischen Kultur, die ihren Wohlstand weitreichenden Fernhandelsverbindungen sowie der Freigebigkeit Beute machender Kriegsfürsten verdankte.

Vor allem aber dekoriert Frederick Starr seine Aufklärer in einer bestimmten Landschaft, die er „Zentralasien“ nennt. Das ist ein besonders uneindeutiger Name in der geographischen Nomenklatur. In diesem Buch schließt er die Mongolei, Tibet und das chinesische Turkestan (heute: Xinjiang) östlich von Kashgar aus. Gemeint ist vielmehr ein Raum, den man sich nur auf einer physikalischen Karte verdeutlichen kann, auf der heutige Staatengrenzen in den Hintergrund treten. Er umfasst den Süden Usbekistans und Turkmenistans, die nördliche Hälfte Afghanistans und den Nordosten Irans. Samarkand, Nischapur (die Heimat und Wirkungsstätte Omar Khayyams) oder die im 13. Jahrhundert zerstörte Seldschuken-Hauptstadt Merv waren die großen Metropolen dieser Transitregion an der Seidenstraße.

Avicennas Heimat

Starrs obsessive Suche nach einer gemeinsamen Identität dieses Raumes wirkt etwas anachronistisch. Ein wenig zu oft fragt er, wie „zentralasiatisch“ einzelne seiner Figuren gewesen seien. Es genügt aber schon, ihm bei einer zweistufigen Dezentrierung zu folgen: Liebhabern des lateinischen („Früh“-)Mittelalters rät er, den Blick vom peripheren Norden der beschaulichen Klöster und romanischen Kirchen auf die pulsierenden Großstädte des Orients zu lenken. Und wessen Vorstellung der islamischen Welt des Mittelalters vom Dreieck Kairo-Damaskus-Bagdad her konstruiert ist, den erinnert er daran, dass mehrere Jahrhunderte lang ein zweites, nordöstliches Zentrum der muslimischen Ökumene von mindestens gleichem Gewicht war.

Dies wird durch die pauschalen Vereinnahmungen des 20. Jahrhunderts leicht verwischt. Viele der „arabischen“ Gelehrten des Mittelalters, die sich des Arabischen als der universalen Religions- und Wissenschaftssprache bedienten, stammten aus dem ethnisch bunt zusammengesetzten Zentralasien, und der in Buchara geborene und aufgewachsene Ibn Sina wird weder als „usbekisch“ noch als – wie man oft liest – „persisch“ sinnvoll identifiziert.

Die Verheerungen des Dschingis Khan

Im Unterschied zu Ernst Bloch sieht Starr die islamische Aufklärung nicht als Vorläuferin der späteren europäischen; zwischen beiden findet er keine Fäden der Kontinuität. Vielmehr erzählt er eine dramatische, aber wenig überraschende Katastrophengeschichte. Um die Mitte des 12. Jahrhunderts war das Goldene Zeitalter bereits einer epigonalen Niedergangsstimmung gewichen; kulturelle Erschöpfung hatte eingesetzt. Provoziert durch einen hochmütigen Lokalherrscher, der mongolische Gesandte ermordet hatte, griffen 1219 Dschingis Khans Reiterheere Zentralasien an und richteten in einem Blitzfeldzug bis 1221 schreckliche Zerstörungen an. Die Künstler und Gelehrten flohen oder wurden umgebracht, von der blühenden Stadtkultur blieb bis hin nach Persien und Afghanistan wenig übrig. Der blutdürstige Timur (Tamerlan) war um 1400 kaum weniger zimperlich. Seine Versuche, sich zum Kulturgründer zu stilisieren, führten bloß zu einer protototalitären Monumentalarchitektur.

Ebenso wichtig in diesem an Edward Gibbon erinnernden Szenario von äußerer Überwältigung und innerer Erosion ist der Feind zu Hause. Die zentralasiatische Aufklärung war rationalistisch und religiös eher kühl gestimmt, eine Art von östlichem Thomismus. Dagegen erhob sich bereits im 11. Jahrhundert die Massenbewegung des Sufismus, eines „Islams des Herzens“. Sie erhielt ab 1095 aus Bagdad Schützenhilfe durch al Ghazali, den für Starr „einflussreichsten, mächtigsten und reichsten Intellektuellen der muslimischen Welt“, ein demagogischer Feind jeglicher Vernunftreligion und Vertreter einer Orthodoxie, die er maßgeblich selbst schuf. Er ist der Fürst der Finsternis im Plot dieses Buches. Als sich die Schwärmer und wissenschaftsfeindlichen Theologen durchsetzten, war die muslimische Aufklärung „verloren“.

Ein Rätsel bleibt

Es nimmt für Starr ein, dass er seine Thesen umsichtig, undramatisch und in stets transparenter Argumentation vorträgt. Hier findet sich kein einziges Wort über „den Islam“ als solchen oder über seine angebliche Unfähigkeit zu Reform und Modernität. Im Gegenteil: Selten ist das rationalistische Potential im Islam so stark betont worden. Weshalb aber konnte es sich nicht nachhaltig durchsetzen? Wo blieben die neuen al Birunis? Starr bietet eine ganze Reihe von Erklärungen an und ist doch mit keiner zufrieden. Über ein beschreibendes Stafettenmodell von „world intellectual leadership“ kommt er nicht hinaus: Das in den Akademien Transoxaniens und Irans verglimmende Licht des Wissens wurde an den frisch gegründeten Kathedralschulen und Universitäten nördlich der Alpen neu entfacht. Aber warum? Dschingis Khan ist nicht an allem schuld.

 ————————————————————————————————

Dieser Artikel ist ein neuerlicher Beweis dafür wie politisch motiviert man heutzutage Artikel über die persische Geschichte schreibt und meint damit unkundige Leser verarschen zu können. An mehreren Stellen dieses Textes wird von muslimisch gesprochen, davon, dass gar nicht bestimmt werden könnte ob Pursina, Biruni und Khayam Perser gewesen seien, denn das Zentralasien sei ethnisch bunt gemischt gewesen. Aber Osterhammel geht weiter:

Starrs obsessive Suche nach einer gemeinsamen Identität dieses Raumes wirkt etwas anachronistisch. Ein wenig zu oft fragt er, wie „zentralasiatisch“ einzelne seiner Figuren gewesen seien.

Dieser Raum, dass hier nur als zentralasiatisch apostrophiert wird, hiess Khwarezm und war Teil Iranzamins. Zu der damaligen Zeit und vor den Verheerungen des Dschingis Khan lagen die größten und prosperierenden Städte der Welt in Choresmien (Khwarezm).  Weiterhin spricht Osterhammel von einem Dreieck Kairo-Damaskus-Bagdad, das so nie bestanden hat wie der Autor es einem suggeriert, denn das tatsächliche Zentrum der mittelalterlichen, persischen Zeit der Aufklärung gegen den Islam, lag in Iranzamin und seine Gelehrte allesamt islamfeindlich und iranische Patrioten. Nicht zuletzt die im Artikel erwähnten Biruni, Avicenna und Kahyam sind gerade durch ihre Islamgegnerschaft bekannt und beliebt in Iran.

Es ist unanständig die Errungenschaften großer persischer Männer der Ideologie zu verschreiben, die sie zeitlebens als Gegner gegenüberstanden und es ist genauso unanständig dem Autoren S. Frederick Starr zu unterstellen er folge einer Obsession eine gemeinsame Identität der Gelehrten in Khwarezm herzustellen. Der Name Khwarezm selbst darf selbstverständlich nicht benutzt werden, denn dieser persische Name lässt kaum Raum für Argumentationen für diejenigen übrig, die Biruni und Khayam lieber als Türken, Kirgisen, Turkmenen oder Kasachen sehen würden, deshalb werden diese großen Männer auch als zentralasiatisch bezeichnet, so wie ungefähr Goethe ein Mitteleuropäer war.

Khwarezm

Bereits schon mehrmals wurde hier auf dieses Thema aufmerksam gemacht, und, dass systematisch und mit Hilfe der europäischen und westlichen Presse, die iranische Geschichte umgeschrieben werden soll, indem man Islamgegner und Gelehrte zu islamischen Rationalisten erklärt und ihnen andichtet womöglich Mongolen oder Türken zu sein, wohingegen jeder Wissenschaftshistoriker eigentlich wissen sollte, dass Bildung und Gelehrtentum alten Bäumen gleichen, die in der Lage sind solche Früchte zu tragen, und daher eine entsprechende Tradition haben.

Die Frage stellt sich oft wie zu einer bestimmten Zeit, in einer geographischen Region, es zur Ausbildung von so vielen nachhaltigen Denker und Philosophen gekommen ist, und in diesem Fall von so grundlegenden Ideen, dass Starr diese als Bindeglied zwischen der Antike und Moderne sieht:

Lost Enlightment

Dieselbe Entwicklung sehen wir übrigens während der europäischen Aufklärung, wo Ideen spriessen und viele Paradigmen durch neue ersetzt werden, und scheinbar oder ganz offensichtlich, trieb die Gelehrten in Europa und Khwarezm das gleiche, nämlich einen Ort und Zeit gefunden zu haben, wo sie gegen Rückständigkeit und religiösen Dogmatismus, den Geist der Vernunft einsetzen konnten. Die im Buch und Artikel erwähnten Denker und Philosophen sind auf diesem Blog öfters besprochen worden und jeder wird bei der Lektüre sehen können wie sehr sie sich gegen den Islam engagierten und dabei vom iranischen Geist beseelt waren.

Warum aber gerade Ostiran, also Khwarezm, so eine hohe Dichte an Gelehrte aufwies, erklärt sich durch die politischen Wirren der damaligen Zeit, denn im Westen war die Situation für Gelehrte nicht immer sicher. Aus Baghdad, Gundischapur und anderen westlichen Städte Iranzamins strömten die Menschen nach Ostiran und es ist daher nicht verwunderlich, dass die Städte  von Khwarezm zu dieser Zeit, vor den Verheerungen des Dschingis Khan, zu den größten und bevölkerungsreichsten weltweit zählten.

Was aber dieser Artikel und dieses Buch uns Iranern zeigen ist, wie wichtig es ist die Gebiete in Khwarezm an Iran anzugliedern, denn das archäologische Erbe unserer Geschichte darf nicht Opfer türkischer Großmachtträume werden oder der sie andienenden Europäer, die wie dumme hirnlose Kühe versuchen persische Geschichte totzuschweigen und sie schlimmstenfalls im Sinne der Torktazi umzuschreiben.

Dieser Beitrag wurde unter Globale Aufklärung, Iran, Türkische Unkultur abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Antiiranische Geschichtsschreibung

  1. DerOberTürke-Cengiz-Han schreibt:

    Lan du doofmann.
    Mit Zentralasien ist die heutige Türkei gemeint.
    Mit Zivilisation ist Türkentum gemeint.
    Bist du echt so begriffsstutzig?

    Das heisst nicht Veehrung des Dschingis Khan sondern Cengiz Han aka Erdo Khan.
    Man bin ich froh ein Mongoltürke zu sein!!!!!!!!!!!!!!!!

  2. backbone schreibt:

    Habe ich etwas verpasst ? Was hat Türkentum mit Zivilisation zu tun.
    Und um ein Mongo zu sein reicht es aus, dumm und unwissend zu sein.

  3. Tangsir schreibt:

    Was aber dieser Artikel und dieses Buch uns Iranern zeigen ist, wie wichtig es ist die Gebiete in Khwarezm an Iran anzugliedern, denn das archäologische Erbe unserer Geschichte darf nicht Opfer türkischer Großmachtträume werden oder der sie andienenden Europäer, die wie dumme hirnlose Kühe versuchen persische Geschichte totzuschweigen und sie schlimmstenfalls im Sinne der Torktazi umzuschreiben.

    Einen kleinen aber entscheidenden Fehler habe ich im obigen Text korrigiert. Natürlich geht es um das archäologische Erbe und nicht das geologische. Es darf nicht sein, dass Torks die Kontrolle haben und nach Gutdünken vernichten und verfälschen was sie wollen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s