Panmongolismus

Turkoidoismus

Panmongolismus

Panmongolismus! Wilder Klang –
Doch mir tönt er vertraut und licht.
Es ist, als ob vom Weltengang
Die Schicksalsstimme Gottes spricht.

Als in Byzanz, dem tief verderbten,
Erlosch der göttliche Altar,
Und als sich vom Messias trennten
Der Fürst, der Priester, Volk und Zar –

Da zog von Ost wie ein Gewitter
Heran ein fremder Heidenstrom,
Und unterm schweren Schlag erzitternd
Zerrann zu Staub das zweite Rom.

Das Schicksal des gefallnen Reiches
Bringt Rußland nicht aus seiner Ruh.
Beständig sagen Rußlands Schmeichler:
„Das dritte Rom – bist du! bist du!“

So sei es denn! Die Gottesplagen
Sind noch nicht alle aufgebraucht.
Schon rüstet sich zu neuen Schlägen
Die aufgewachte Völkermacht.

Vom Archipel zum Himalaja,
Geführt vom Inselreich im Meer,
Staut sich an Chinas alter Mauer
Unendlich groß ein Riesenheer.

Heuschreckengleich, vital, gefräßig,
Wild, unersättlich, ohne Zahl,
Erfüllt von Kräften übermäßig
Ergießt nach Norden sich sein Strahl.

Rußland! Vergiß die Ruhmgefühle:
Der Doppeladler ist nicht mehr,
Und gelben Kindern gibt zum Spiele
Man deine Fahnenfetzen her.

Erniedrigt und beleidigt zittert
Wer das Gebot vergaß, zu lieben…
Das dritte Rom ist Staub, zerschmettert –
Ein viertes wird es nicht mehr geben.

1894 (Übersetzt von Adrian Wanner)

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Die Skythen

Ihr seid Millionen. Wir – Legion, Legion, Legion!
Versucht nur, euch mit uns zu schlagen!
Ja, unsre schrägen Augen, gierig schon,
Verkünden: Wir sind Skythen, Asiaten!

Für euch Jahrhunderte, für uns ein Augenblick.
Mongolen, Europäer, die sich hassen –
Als treue Knechte hielten wir den Schild
Gehorsam zwischen beide Rassen.

Mit eurer Schmiede habt jahrhundertlang
Ihr überdröhnt das Toben der Lawine,
Ihr schautet auf Messinas Untergang,
Als ob er wie ein Märchen euch erschiene.

Jahrhunderte saht ihr nach Osten, dann,
Das Gold einschmelzend, das ihr uns gestohlen,
Habt höhnend ihr die Frist berechnet, wann
Auf uns zu richten wären die Kanonen.

Jetzt ist die Stunde da, der Flügelschlag
Des Unheils nähert sich, es künden
Uns eure Kränkungen: bald kommt der Tag,
Wo spurlos eure Städte schwinden!

O alte Welt, solange du noch lebst
Und dich verzehrst in süßen Klagen,
Bleib stehn, wie Ödipus einst vor der Sphinx,
Und löse weise deine Fragen.

Russische Sphinx. Traurig, vor Freude toll,
Ihr schwarzes Blut verströmt sie, sich verschenkend.
Und sieht euch an, teils hass-, teils liebevoll,
Mit Blicken, die sich stumm in euch versenken.

Ja, so lieben, wie dies Blut hier liebt,
Könnt ihr schon längst nicht mehr. Und nicht erkennen,
Daß es auf Erden eine Liebe gibt,
Die euch zerbrechen kann wie auch verbrennen.

Wir lieben alles: gallischen Esprit,
Der Zahlen kalte Glut, das Ahnen
Des Unbekannten, doch auch das Genie
Des finster brütenden Germanen.

Und wir erinnern uns der Hölle auch,
Der Straßen von Paris. Venedigs Feste
Sind uns so nah wie jener graue Rauch,
Der sich auf Kölns Gemäuer niederpreßte.

Des Fleischs Vergänglichkeit – sinnlich und keusch –
Wir lieben sie wie seinen bittern
Verwesungshauch. Sind wir denn schuld, daß euch
In unsren Armen eure Knochen splittern?

Wir sind gewohnt, beim Zaum zu fassen die
Tollenden Pferde, in die Mähnen
Uns krallend, brechen wir ihr Kreuz, wie die
Geraubten Weiber wir uns zähmen.

Erholt euch von des Krieges Schrecken, hört,
Von unsern Armen freundlich-fest umschlossen:
Noch ist es nicht zu spät, steckt ein das Schwert,
Laßt uns zu Brüdern werden und – Genossen!

Wenn ihr nicht wollt – wir sind uns selbst genug,
Wir pfeifen auf das Wort der Treue!
Euch wird noch ein Jahrhundert lang der Fluch
Der kranken Enkel treffen stets aufs neue.

Europa, anmutsvolle Dame, wir
Werden durch Steppen und durch wüste Wälder
Dir eine Bresche schlagen: Mädchen, hier,
Sieh unsre Asiatenfratzen selber!

Wir räumen euch das Feld bis zum Ural
Für eure stählernen Maschinen:
Asiatenhorden gegens Integral –
Wir sehen zu mit unbewegten Mienen.

Wir sind ab heute euch kein Schild mehr, nein,
Kämpft euren Todeskampf mit den Mongolen,
Wir greifen in den Kampf jetzt nicht mehr ein,
Wir werden zusehn, wenn die Schlachten toben.

Wir werden aus den Augenschlitzen sehn,
Wie sich um euer Fleisch die Hunnen streiten,
Wie eure Städte brennend untergehn
Und zwischen Trümmern ihre Pferde weiden.

Zum letztenmal: besinn dich, alte Welt!
Zum brüderlichen Fest der Friedensfeier,
Zum Fest der Arbeit, das uns friedlich eint,
Ruft der Barbaren Leier!

Alexander Blok, 30. Januar 1918
Deutsch von Heinz Czechowski

FreeConstantinople

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2 Antworten zu Panmongolismus

  1. Jahângir schreibt:

    Wobei der Dichter dieser Zeilen vergessen hat, dass Skythen und Mongolen trotz gewisser Gemeinsamkeiten völlig unterschiedliche Völker sind/waren. Skythen stehen ethnisch den heutigen Russen und Ukrainern nahe, und haben eine iranische Sprache gesprochen.

  2. _Spike_ schreibt:

    Hallo,

    auf der Karte fehlt Ungarn! Die ungarischen Chauvinisten (Joobik, ungarische Garde, HVIM usw) bezeichnen sich als „Turanier“ und kämpfen für die Vereinigung aller türkischen Völker in einem Großreich!

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