Wofür kämpfen die Iraner?

Diese Frage wird sich jeder schon mal gestellt haben. In der Presse wird vielfach gesagt die Exilopposition gebe ein diffuses Bild ab. Deshalb auch war es fällig die Serie über die iranischen Helden ins Leben zu rufen. Es wird vielleicht das Verständnis dafür fördern, dass dieser Kampf nicht nur eine gegen die islamische Republik ist, sondern eine die schon seit 1400 Jahren ausgefochten wird.

Iraner lesen nicht gerne und haben das Tragen von Verantwortung verlernt

Leider musste ich feststellen dass die Artikel über iranische Dichter und Wissenschaftler, im Vergleich zu den anderen Blogeinträgen, nur ein Bruchteil der Aufmerksamkeit erreicht haben. Besonders war ich darüber betrübt dass der Artikel über Nâserxosro Qobâdiyâni fast gar nicht gelesen wurde. Dessen mathematisches Buch, das als verschollen gilt, ist gleichzeitig auch Synonym für das verloren gegangene Geschichtsbewusstsein der Iraner. Sein mathematisches Lebenswerk wurde durch den islamischen Klerus verbrannt und dessen Erbe wird von den heutigen Iranern ignoriert. Dies ist umso trauriger da den meisten Iranern das Wissen um diesen nationalkulturellen Kampf gegen arabisch-türkische Okkupation fehlt. Noch heute betrachten viele Iraner die türkisch-arabischen Fremdherrscher in der iranischen Geschichte als persische Herrscher an, beherrschen kaum die persische Sprache ohne arabisch-türkische Lehnwörter zu benutzen und lehnen es großteils ab im schiitischen Islam das gesellschaftliche und politische Hauptproblem Irans anzuerkennen. Um die hier genannten Punkte zu behandeln, habe ich mich der Perspektive und Biographie iranischer Helden bedient, was aber wohl genauso wenig Resonanz fand. Aber zurück zum Kampf der Iraner und die „Grüne Bewegung“, in der zwar Meinungsfreiheit gefordert wird, man es aber nicht als Widerspruch empfindet Parolen und Fahnen zu verbieten. Es wird demokratische Partizipation verlangt und dennoch der Ausschluss politische Parteien und kultureller Strömungen aus der gesellschaftlichen Mitte gefordert (Ob nun Kommunisten, iranische Nationalisten oder Monarchisten). Es wird sich iranisch-patriotisch gegeben und trotzdem wird gefordert dass die türkische Dynastie Reza Pahlavis die nächste „persische“ Monarchie Irans bildet. Ein Teil der Iraner sieht keine realistische Vorgehensweise ausser sich der islamischen Republik zu beugen und kleine Korrekturen und Reformen anzustreben. Für die anderen wiederum ist Reza Pahlavi die einzige und realistische reza pahlaviChance für Iran. Der Gedanke dass der neue iranische Staat nicht bloss durch seine Führung bestimmt wird, sondern die Summe und Produkt seiner eigenen Bürger und ihr Schaffensdrang ist, können allerdings die wenigen nachvollziehen. Die demokratische Partizipation, das Bestimmen und Messen der gesellschaftlich-politischen Kräfte in freien und transparenten Wahlen einerseits, Die Konsensbildung und Mitarbeit innerhalb der gewählten Mehrheitsgruppe als auch in der Opposition, sind aber die partizipatorischen Elemente die ein zukünftiger freier Iran braucht. Zum einen ist die partizipatorische Willensbildung eine alte iranische Tradition (Anjoman= Politische Zusammenschlüsse auf subsidiare Ebene). Zum anderen sind Parteien, Personen und monarchische Familiendynastien kein Garant dafür dass diese sich für die Belange und Rechte der Bürger einsetzen. Wer die westliche und offene Gesellschaft kennt, weiss dass ohne aktive Bürger die politisch handeln und publizieren, es keine Durchsetzung/Verteidigung von Bürgerrechten oder gesellschaftliche Veränderungen gibt. Was Iran also braucht sind mutige Menschen die ihre Belange und Forderungen unmissverständlich artikulieren, und keine die sich aus Angst und Opportunismus hinter Personen stellen oder solche die meinen Reza Pahlavi sei nur deshalb geeignet Iran zu führen, weil er der Sohn seines Vaters ist.Die einzig reelle Chance für Iran ist wenn alle Gruppen und politischen Parteien die sich zu einem partizipativen und freiheitlichen Iran bekennen, sich zur Wahl stellen und die Mehrheit eine zukünftige Regierung stellt:

Freie Wahlen in Iran

Reza Pahlavi

Letzte Woche wurde ich eingeladen und gebeten an einem Skype-Gruppen-Interview mit Reza Pahlavi teilzunehmen. Da mir weder die Modalitäten der Schaltkonferenz, noch die Art der Moderation bekannt waren, habe ich mich dagegen entschieden und stattdessen einige Fragen weitergeleitet:

  1. Wie bewerten Sie die historische Zeit der türkischen Fremdherrschaft in Iran?
  2. Bestehen die einflussreichen Kadjaren-Netzwerke immer noch?
  3. Warum sind Sie der Meinung dass alle Iraner eine duale Identität haben?
  4. Wie ist Ihre Haltung zu den pantürkischen Bestrebungen in Iran?
  5. Wie ist Ihre Haltung zum pantürkisch-motiviertem Terror in Zentralasien?
  6. Wie ist Ihre Haltung dazu dass mehrere Millionen iranerstämmige in den zentralasiatischen Ländern als auch in der Türkei die iranische Sprache und Kultur verboten wird?
  7. Wie ist Ihre Haltung zum Pantürkismus und wie setzt er sich für die Iranerstämmige in diesen Ländern ein?

Ob diese Fragen gestellt wurden weiss ich nicht, aber das was ich weiss und sehe ist die Kritik warum ich überhaupt solche Fragen stelle. Diese Fragen aber sind es die wir stellen müssen, denn auch Khomeini sprach ursprünglich von Gleichheit der Geschlechter, Demokratie, gratis Strom und Wasser, Die Ablieferung der Petrodollars direkt an der Haustür und vor allem dass er es kategorisch ablehnt sich und andere islamische Kleriker in politische Verantwortung zu sehen. Hätten Iraner nachgebohrt und sich informiert, hätten sie gewusst dass Khomeini bereits Jahrzehnte zuvor das Konzept der klerikalen Herrschaft (Velayate Faghi) entworfen hatte. Auch alle anderen Versprechen blieben unerfüllt und sogar in ihr Gegenteil verkehrt. Dasselbe gilt für einen Reza Pahlavi der nur das Leben auf Tanzturniere und festliche Bälle kennt, wo man ihm die Hand küsst und Kritik an seine Person ebenso ungerne sieht, wie beim Moslems Kritik an Mohammed.

Kadjaren, Mullahs und die Pahlavis

Zum Teil lebt die moslemische Mentalität des heiligen Blutes und Sperma auch bei vielen Monarchisten fort. Nur dass es hier keine Seyeds und türkische Fremdherrscher es sind die man verehrt, sondern die neue Ghoztürk-Kadjarische Pahlavi-Dynastie. Die Herkunft pahlavi with his kadjar wifedieses Herren spielt insoweit eine Rolle, als dass er mit seiner Kadjarischen Ehefrau und potentiell zukünftigen „persischen“ Kaiserin, sich die Unterstützung der Kadjaren-Netzwerke (hauptsächlich Bazaris) sichern will. Um dem islamischen Klerus die Monarchie ebenfalls schmackhaft zu machen ist der jüngere Bruder mit einer Sayida verheiratet (Nachfahre vom islamischen Propheten). Reza Pahlavi unterlässt es darüber hinaus nicht den Klerus als Ganzes ständig in Schutz zu nehmen und sie als redliche Männer Gottes darzustellen die Iran und den Iranern wohlgesonnen seien. Auf diese Weise empfiehlt er sich nicht nur als zukünftiger Monarch der den Klerus protegiert, sondern konterkariert damit seine Forderungen nach einem bedingungslosen säkularen System. Was wir hier also beobachten ist keineswegs das traditionelle Bild des persischen Monarchen der sich unter Lebensgefahr für sein Volk, dessen Sprache und Kultur verdient macht, sondern einen politisch klugen Menschen der den Boden für seine Inthronisierung vorbereitet. Seine Verbündeten sind die alten und mächtigen Netzwerke der Mullahs und Farah Dibadie der türkischen Fremdherrscher. Zum anderen sollte auch hier die Rolle von Farah Diba, die Mutter von Reza Pahlavi, erörtert werden. Sie hat die türkische Art der Korruption am persischen Hof exzessiv betrieben und ihrer türkischen Verwandtschaft nicht nur Geld verschafft, sondern auch lukrative Posten. Im Grunde also die Weiterführung der kadjarischen Tradition, der durch rassisch-privilegierten Vetternwirtschaft und erworbenen Posten und die damit verbundenen „Sonderzahlungen“ (Mostofi und Rosoum). Genauso auch muss die Rolle seines Vaters Mohammad Reza Pahlavi näher beleuchtet werden, der zwar gemeinsam mit seinem Vater versucht hat Iran in die Zivilisation führen, aber darüber hinaus genauso dem Islam und den Klerikern wohlgesonnen wahr. shah-haj-mecca-tripEr machte nicht nur die bei Moslems vorgegebene Reise nach Mekka, sondern überliess darüber hinaus die islamischen Kleriker weiterhin ihren Einfluss in Gesellschaft und vor allem im Bildungsbereich, wo diese die Inhalte weiterhin islamkonform hielten. Der letzte Schah soll seinem Vater sogar von einer Traumvision erzählt haben, in der er sich als Mehdi und verborgenen Propheten sah. All diese Zustände erklären warum auch ein aufgeklärter Teil der damaligen Bevölkerung ebenfalls gegen den Schah war und die Monarchie abschaffen wollte. Zum anderen vermochte es der letzte Schah nicht die repressiven und korrupten Strukturen der Kadjaren im Land zu zerbrechen. Selbst die Weisse Revolution die er initiierte, katapultierte die Kadjaren mit viel Geld an die Spitze der iranischen Wirtschaft (Bâzâri). Diese Bâzâris waren es später auch, die hauptsächlich daran beteiligt waren ihn als Schah mit Hilfe der Mullahs zu stürzen. Der türkische und kadjarische Einfluss in Iran und ausserhalb war und ist immer noch dermassen hoch, dass z.b. die „Columbia Encyclopedia“, den Namen des letzten Schahs mit türkische Aussprache wiedergibt: „mūhämmäd rĭzä shä păləvē“. Die iranische Monarchie hat unter Iranern eine hohe Anhängerschaft. Darüber sollte aber nicht vergessen werden dass in der heutigen Zeit ein Monarch lediglich Repräsentant sein kann. Wieso aber Iraner sich gerade eine türkische Dynastie wünschen verstehe ich genauso wenig, wie die Tatsache dass Reza Pahlavi die einzige realistische Option sein soll. Es wird Zeit die unterwürfigen Gesten gegenüber dem Türkentum abzulegen. So wie der letzte Schah aus Machtkalkül eine Azari-Türkin geheiratet hat, sollten wir nicht aus politische Not wieder türkische Fremdherrscher zum Oberhaupt Irans machen, ob nun nur repräsentativ oder nicht.

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3 Antworten zu Wofür kämpfen die Iraner?

  1. Tangsir schreibt:

    Lieber Tantrix

    Sehr gut geschrieben. Bitte beachte aber dass es bei allen Völkern und zu jederzeit es so etwas gab wie Stammeszusammenhalt und später auch Nationalgefühl. Übersteigerter Nationalismus, also Chauvinismus gegenüber anderen Völkern ist es was destruktiv ist und nicht etwa das normale Bedürfnis sich zu seinen Wurzeln und Werte zu bekennen.

    Wer ausserdem meint Nichtiraner oder Exiliraner dürften sich nicht für Iran einsetzen, greift auf den türkischen Rassismus zurück, das unser Land immer mehr befällt. Dem habe ich schon immer widersprochen und tue es weiterhin. Die iranischen Werte und der iranische Nationalismus beruhen nur zum Teil auf die ethnische Herkunft, zum großen Teil aber ist es nichts anderen als ein Wertegemeinschaft. Deshalb auch waren Georgier und Armenier langer Zeit integraler Bestandteil Irans, obwohl sie ehtnisch keine Iraner waren. Sie haben aber unsere Werte geteilt und wir haben genauso auch ihre Werte und Mentalität übernommen. Mit dem Aufkommen des Türkentums und des Islams aber änderte sich das, und es fing der Zeit des selektiven Rassismus an. Erst einmal Rassismus gegen alles iranische und in den modernen Zeiten dann der Rassismus gegen den Westen, Die USA, Israel und Juden. Deshalb auch ist es wichtig zu unseren nationalen Wurzeln zurückzufinden. Damit wir nämlich nicht zwangsweise von der Unkultur des Islams und des Türkentums assimiliert werden. Beide sind Kolonialistische Ideologien die mit der iranischen Tradition und Werte nicht übereinstimmen und denen sogar komplett widersprechen. In Afghanistan hingegen wo es dieses nationale Selbstewusstsein und die Rückbesinnung auf humanistische Werte nicht gibt, siehst du wie die Menschen verrohen. Oder nehmen wir Deutschland in der die meisten auf die eigene Nation spucken. Da herrscht dann Werteverfall und das Türkentum und der Islam schliessen diese offene Lücke. Die besten wandern aus und die die sich das nicht leisten können, werden zu Dhimmys oder übernehmen gleich das komplette Wertesystem.

    P.S. du bist hundertmal mehr Iraner mit deiner Liebe zu der iranischen Kultur, als irgendein Depp der seine türkisch-islamische Mentalität dadurch zeigt, dass er Europäer verbietet sich für Iran einzusetzen. Von diesen Gestalten laufen genug rum und mir ist es ein Bedürfnis diesen türkisierten und islamisierten Rassisten deutlich zu widersprechen. Jeder Pseudoiraner der sich dieses Argument bedient tut dies weil er bewusst oder unbewusst sich der Mentalität des türkischen Rassismus beugt.

  2. Abai schreibt:

    من عبدى ارفعى دبير اخراجى دبيرستانهـاى بوشهـر از رژيم جمهـورى اسلامى به خاطر جنايات بيشماركه از بدو ورود خمينى شروع وهرروز بر ابعاد ان اضافه ميگردد شكا يت دارم وبه هر طريق از جنايات اين رژيم عليه مردم ايران وبشريت در هر دادگاهى شهادت ميدهـم قربان شما ترفعي المان هـانوفر

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